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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-11-01 · Heft 11 (1.11.1882) · p. Seite 254

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (1.11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 handelt. Nichtsdestoweniger ließ er ihn nach Kutahja und später nach Abydos in das kaiserliche Schloß in Gewahrsam bringen. Dort wurde ihm eine prachtvolle Wohnung eingeräumt und gestattet Besuche zu empfangen. Er führte auch hier einen großen und glänzenden Hofstaat und nahm von Deputationen und Abgeordneten, die von allen Seiten der Windrose herbeieilten, uin dem gefangenen Messias ihr Beileid auszudrücken, Huldigungen entgegen. Der Kastellan des Schlosses »'.achte durch die Anwesenheit Sabbatais brillante Geschäfte, denn jeder Fremde, der den Messias zu sehen wünschte, mußte ein Eintrittsgeld entrichten. Ebenso einträglich war die Gefangenschaft Sabbatais für die Bewohner Abydos, da sie sich für Wohnungen und Lebensmittel riesige Summen von den Fremden bezahlen ließen. Selbst aus dem entfernten Lemberg kamen zwei Abgeordnete nach Abydos, um den Messias, dessen Ruf auch dahin gedrungen war, persönlich kennen zu lernen. Der Eine war Jesaia, Sohn des berühmten David Lew, Verfassers des „Ture Sahaw", der Andere sein Stiefbruder Leb Herz. Sie mußten sich zuvörderst nach Konstantinopel verfügen, wo sie von Abraham Jachini, einem eifrigen Verehrer Sabbatais, mystisch bearbeitet wurden, dann erst wurden sie von Sabbatai empfangen. Als sie ihn ihrer besonderen Hochachtung und tiefen Verehrung versicherten, sprach er sie huldvollst an und entließ sie mit reichen Geschenken. Jesaia erhielt auch von ihm für seinen greisen Vater ein seidenes Unterkleid zunr Geschenke mit dem Bemerken, daß es ihn verjüngen werde. Da Sabbatai bei dieser Gelegenheit erfuhr, daß in fernen Landen ein Prophet Namens Nehemia Kohen ausgetreten sei, der die baldige Ankunft des sehnsuchtsvoll erwarteten Messias verkündete, ohne aber Sabbatai als den eigentlichen Messias zu proklamieren, so übergab er dem Jesaia Lewi für dessen Vater ein Schreiben mit, das mit dem Aufträge schloß: „Nehemia möge sofort zu mir kommen". Der Schwärmer von Abydos ahnte nicht im Entferntesten, daß die Ankunft Nehemias für ihn verhängnisvoll werden würde. Als Nehemia erfuhr, daß Sabbatai ihn zu sprechen dringend wünsche, nahm er keinen Augenblick Anstand diesen: Wunsche zu entsprechen und der an ihn ergangenen Einladung Folge zu leisten. Kaum in Abydos angelangt, wurde er sofort von Sabbatai in Audienz empfangen. Drei Tage lang dauerte die Unterredung, die der türkische Messias mit dem polnischen Propheten hatte. Sabbatai war aber trotz aller Beredsamkeit nicht im Stande, sich mit Nehemia zu verständigen, Letzterer nannte ihn vielmehr einen Betrüger, eilte auf die Straße hinaus und rief laut — um sich vor den fanatischen Anhängern Sabbatais schützen zu können —, daß er bereit sei, Türke zu werden. Er verfügte sich sodann nach Adrianopel zum Kaimakam Mustafa und entdeckte ihm die gefährlichen und hochverräterischen Pläne Sabbatais. Nehemias Enthüllungen wurden vom Kaimakam dem Sultan mitgeteilt und dieser gab sofort den Befehl, den falschen Messias nach Adriaüopel zu bringen. Sabbatai merkte bald das Damoklesschwert, das über seinem Haupte schwebte, und entschloß sich, nachdem der Sultan ihm zurief: „Ich werde drei vergiftete Pfeile auf dich abschießen lassen, wenn sie dich nicht töten, so will auch ich dich als den wahren Messias verehren" — dem Rate des Leibarztes des Sultans, Namens Moses b. Raphael, der zwischen ihn: und dem Sultan als Dolmetscher fungierte, Folge zu leisten und den Islam anzunehmen. Er nahm nämlich einem neben ihm stehenden Hofbediensteten den Turban vom Haupte und setzte sich ihn auf. Der Sultan war hiedurch besänftigt, ernannte ihn zum Kapidgi Baschi und beehrte ihn mit dem Titel Efendi. Seine Verwandten und sehr viele seiner Anhänger folgten seinem Beispiele und wurden

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