Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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253 königlicher Befehl in weiterer Ausdehnung publicirt, welcher den Hebräern erlaubte, nicht nur in Messina zu handeln, sondern sich überall auf der Insel niederzulassen, eigene Synagoge und Friedhof zu besitzen, frei ihren Cultus auszuüben und eigene Beamten, die ihre Streitigkeiten schlichten sollten, zu halten, frei Grundstücke zu erwerben und über sie zu verfügen. Es waren dies wichtige Gunstbezeugungen und Anlockungen. Doch die Israeliten kamen nicht. So kommt für den zugefügten Schaden spät und unwirksain die Hülfe. Denn viel leichter ist das Zerstören als das Aufbauen auf dem Ruin. Karl III. lud im Jahre 1740 die Hebräer ein, sich in gleicher Weise in Sicilien wie in Neapel niederzulassen. Nach Neapel kamen viele Familien, aber es ist wohl bekannt, wie das unwissende Gesindel sie zuerst mißhandelte, und der Aberglaube des Hofes sie dann verjagte. Da die Königin Amalia Walburga nicht mit einem Knaben niedergekommen war, lärmte der Pater Pepe, ein Jesuit, der sich zuni Echo des Volksmundes machte, und ein Kapuziner überredete das königliche Paar, daß jener Wunsch nicht erfüllt werden würde, so lange der verfluchte Stamm das Land beflecke. Nach sieben Jahren wurde das günstige Edikt zurückgenommen. Für Sicilien scheint die Einladung Karl III. wenigstens Früchte getragen zu haben. Unauslöschlich bleibt jene Katastrophe von 1492 unter den schlinimsten Erinnerungen verzeichnet, die die Herrschaft der spanischen Könige auf der Insel zurückgelassen hat. Geschichtsbilder aus der nachtalniudischen Zeit bis auf die Gegenwart (1500—1880). Nach den Quellen bearbeitet von vr. M. H. Friedländer. tzabbatni Zewi. Die türkische Regierung, die lange dem wüsten Treiben Sabbatais und seiner Anhänger stillschweigend zugesehen hatte, sah sich endlich doch veranlaßt, gegen den messianischen Schwindler einzuschreiten und die von ihn: heraufbeschworene Bewegung zu unterdrücken. Sabbatai erhielt daher den behördlichen Auftrag in Konstantinopel zu erscheinen. Er war verwegen genug, sich mit einer glänzenden Suite nach dort einzuschiffen. Es war dies zu Anfänge des Jahres 1666. Als er daselbst, nachdem das Schiff, das ihn trug, einige Wochen mit einem heftigen Sturme zu kämpfen hatte, gelandet, befand sich der Sultan in Adriauopel. Der Großvezier, der dem Sultan von der Ankunft des sich als Messias angekündigten Aufwieglers berichtet hatte, erhielt deu Auftrag, den Unruhestifter sofort verhaften zu lassen. In Folge dessen sandte der Großvezier einen Aga mit 50 Janitscharen zu Sabbatai um ihn in Verwahrung zu bringen, allein die imposante, Ehrfurcht gebietende Gestalt Sabbatais machte einen solch tief ernsten Eindruck auf dieselben, daß sie unverrichteter'Sache zurückkehrten. Der Großvezier schickte einen zweiten Aga mit 200 Janitscharen, aber auch diese waren nicht fähig, sich des falschen Messias zu bemächtigen. Sabbatai ließ daher durch den zweiten Aga dem Großvezier eröffnen, daß es nicht nötig sei ihn gewaltsamerweise zu verhaften, da er sich freiwillig ihn« vorstellen/ werde. Sabbatai wurde in Folge dessen vom Großvezier empfangen und achtungsvoll be-