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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-11-01 · Heft 11 (1.11.1882) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (1.11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 der sie unschuldig bestrafte und verjagte, konnte sich die unendliche Bitterkeit der ewigen Trennung nicht vorstellen. D'Acugna war nicht Zellte dieser schrecklichen Scene in Palermo. Er zog sich von Messina zurück und ging nach Catania, wo er bald darauf im Dezember 1494 starb , entschuldigt, wenn nicht ganz freigesprochen von jenem Volksgericht, welches von dem öffentlichen Wirken dem Guten wie dem Bösen seinen schuldigen Anteil beizumessen versteht. VII. Die Emigranten wandten sich in beträchtlicher Anzahl nach Neapel, wo sie der alte Ferdinand I. von Aragonien aufnahm. Dort aber fanden sie keinen bleibenden Aufenthalt und wurden, da jenes Reich zuerst an Ferdinand den Katholischen und dann an Karl V. kam, auch von dort im Jahre 1539 vertrieben. Andere folgten dem Geschick der spanischen Glaubensgenossen und begaben sich nach der Levante und nach Afrika, noch andere nach Rom, wo sie der Papst, freisinniger als der spanische Hof, aufnahm. Noch jetzt befindet sich in Rom unter den kleinen Synagogen oder Schulen, die im Ghetto sind, eine, welche „Siciliana“ heißt, eine, die den Namen „Castiliana“ führt, itub eine andere, die den Namen „Catalana“ bewahrt hat. In den Familien, die durch ihre Lebensgewohnheiten zur sicilianischen Schule gehörten, lebten die Traditionen des alten Ursprunges. Viele der Geschlechtsnamen, die man hier trifft, entsprechen denen, die sich auch iiberall auf der Insel finden. Viele Wörter und gewisse Idiotismen des Jnsulardialekts sind noch heute im Munde der Abkömmlinge jener alten Vertriebenen. Der sich aus der Abreise der verjagten Hebräer ergebende Verlust gehört nicht zu denen, die man in runden statistischen Ziffern angeben kann, wohl aber zu den Verlusten, an denen ein Land lange leidet und schmachtet wie an einer tiefen, verderblichen Wunde. Der Handel lag darnieder und war dergestalt vernichtet, daß er sich in den Hänoen der Eingeborenen nicht wieder erheben konnte. Es gab in verschiedenen Städten verlassene Quartiere, unbewohnte und verschüttete Häuser, geschlossene und verlassene Läden; in der Geldzirkulation bemerkte man eine große Lücke. Dabei darf man noch gar nicht der in den Seelen erregten Unruhen, des, einem Prinzip der blinden und unbeugsamen Intoleranz moralisch gesicherten Triumphes gedenken. Im Laufe des XV]. Jahrhunderts wagte mancher Hebräer, Sohn oder Enkel der 1492 Proskribirten, unter dem Vorwände, Geldgeschäfte zu machen, sich hier und da flüchtig auf der Insel sehen zu lassen. Der König, Philipp II., der sich seinem Großvater anschloß, beeilte sich, dem vertriebenen Stamm unter schweren Strafen zu verbieten, unter irgend einem Motiv in den Städten, den Dörfern, in den Landungsorten oder in den Häfen der Insel festen Fuß zu fassen. _ Ein Jahrhundert später bewilligte Karl II. auf Bitten der Sieilianer der Stadt Messina zur Beförderung des Handels das Privilegium der „scala franca.“ Mit den verschiedenen Nationen, denen man volle Freiheit des Handels gewährte, ließen sich auch die Hebräer nieder, doch niit der Bedingung, keinen bleibenden Wohnsitz zu nehmen und ein bestimmtes Abzeichen an der Kleidung zu tragen. Ferner waren sie verpflichtet, sich während der Zeit, in der sie sich wegen ihrer Handelsbeziehungen aufhielten, sich des Nachts in abgelegene, außerhalb der Stadtmauer liegende Orte zurückzuziehen. Als Karl VI. von Oesterreich regierte, wurde am 9. October 1728 ein

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