Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1882)
- Date
- 1882-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 resoluten Protest an den Vicekönig. Die Sprache war scharf, herb, ging fast bis zur Kühnheit und zum Widerstand. Sie reklamiren, weil die Gelegenheit es verlangt, die Beobachtung der Privilegien und der Grundgesetze des Reiches. Die Vertreibung der Hebräer wird auf gleiche Weise der Ruin der Stadt, wie der des ganzen Landes werden. Man muß also auf einen rechtmäßigen Aufschub von heute bis in drei Monaten beharren, damit die Commune Zeit und Muße habe, eine besondere Gesandtschaft an den Hof zu senden. Die Ausführung der unternommenen Jnventarien führt außerdem zu Schwierigkeiten und zu großen Verlegenheiten, so daß man wenigstens sechs Monate zur Abwickelung bedarf. Für Sicilien sind die Motive, auf die sich das fatale Dekret vom 31. März stützt, absolut falsch, auf der Insel dürfte es demnach gar nicht für anwendbar betrachtet werden. Trotz des hundertjährigen Aufenthaltes der Hebräer war das Reich der katholischen Religion fest zugethan geblieben. Niemals hatten die Hebräer versucht, jemanden zu verleiten oder der Religion abwendig zu machen, noch jemals etwas gethan, wodurch- Zerstörung und Schaden des Glaubens entstehen konnte. Darüber bezog sich der Municipio auf ein Zeugnis des Inquisitors Frater Antonio della Pegna, der nach sorgfältiger, vorher erledigter Prüfung, auf der Insel den Samen der Jrrtümer und des Skandals in Glaubens- und Gewissenssachen nicht habe erkennen können. Was die andere, den Hebräern gemachte Beschuldigung, den von ihnen ausgeübten Wucher anbetraf, so war es genügend bekannt, daß er auf der Insel nicht in einem solchen Maße stattfand, um Ursache zu gerechter Klage zu geben. Daher waren wenigstens für die Insel die Briefe und königlichen Verordnungen, die ihre Vertreibung befahlen, unüberlegt; nian sollte sie überhaupt gar nicht auf der Insel ausführen dürfen. D'Acugna möge, soweit es ihn persönlich betreffe, dafür sorgen, daß das Königreich während seiner glücklichen Regierung nicht verwüstet und zerrüttet werde. Die Geschichte sammelt und erwähnt gern die Namen der biederen Bürger, die damals die Mtmicipalsitze in Palermo einnahmen. Prätor Patella, die Richter Petro a Moncada, Manfredi la Muta, Antonio di Cosenza, Niccold di Vivaia , Antonio Allitati. *) Wenn sich mit diesen Bemühungen, die der aristokratischen Baronie, welche in Wahrheit alles auf der Insel waren, vereinigt hätten, wenn in der Abwesenheit des Parlaments die Deputation des Reichs, welche dessen beständiges Comite bildete, der Ausführung des königlichen Edikts ihr Veto entgegengesetzt hatte, wie es bei anderen Gelegenheiten dem Könige die Stirne zu bieten verstand, so würde der spanische Hof vielleicht geschwankt haben, er würde innegehalten haben, oder es würde vielleicht zwischen ihm und dem Lande ein ernster, gefährlicher Zwiespalt entstanden sein. Aber da die Feudalherrn, wir miissen es noch einmal wiederholen, bei jener Angelegeilheit sich zwar von der Seite der Menschlichkeit und der Zuneigung berührt fühlten, aber in den eigenen und unmittelbaren Interessen nicht geschädigt lvurden, so würden sic wegen einer so leichten Veranlassung niemals versucht haben, Sicilien zu einem Aufstande zu bewegen, indein sie sich einem entschiedenen und offenen Geschick aussetzten. Ohne ihr Zuthun würde wohl *1 In dem Communalarchiv von Palermo, Register der Akten und Befehle von 1491 bis 92. In d. H f. 220 auf der Rückseite. Endlich in dem Dokument Nr. 2. Jener Akt , und die Berathschlagung des heiligen römischen Concils wurden natürlich von Di Giovanni verschwiegen. Di Blasi, welcher seine „8toria Cronologica de Vicere“ 1790 publicirte, wo die Inquisition schon seit tt Jahren in Verfall geraten war, deutet nur in einer Note den Protest des Municipio an.