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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-11-01 · Heft 11 (1.11.1882) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (1.11.1882)
Date
1882-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 Glücklich, wem ein wackres Weib beschieden, Höher ist denn Edelstein ihr Wert, Ihre Hand gewährt dem Gatten Frieden, Ihre Sorgfalt schützt des Hauses Herd. Ihren Kindern ist sie Stolz und Leben, Und es tönt des Gatten Preis ihr zu: Viele mags der edlen Frauen geben — Aber Aller Perle bleibest du. Und nun mit einem „heiligenden" Gebetspruche, einem Dank für den Ruhetag, begann die Mahlzeit. Ihr Schluß war wieder altertümlichen Gesängen gewidmet, darunter ein hebräisches Trinklied auf Wein und Fische, ein Loblied auf einen frommen Hans Ohnesorge, der sich um nichts kümmerte und dem der liebe Gott doch jeden Freitag Abend seinen Fisch bescheerte, einmal in der Weise, wie im „Ring des Polykrates" geschildert, mit einem wertvollen Ringe, der ihn wohlhabend machte. Wißbegierige können das Nähere in Gebetbüchern alten Styls Nachlesen. Am Osterabend diinkte der Hausherr — obwohl oft in's Sterbekleid gehüllt — auf weichem Polster thronend, von Faniiliengenossen mit Waschgeschirr bedient, sich ein König. Er leitete die „Ordnung," den „Seder"; vor ihm lagen auf weißverhüllten Schüsseln in oft kostbaren Gefäßen die süßen und bitteren Kräuter und andere symbolische Erinnerungen an die Sklavenzeit in Egypten. Er schenkte in silbernen Bechern seinen Tischgenossen viermal den Wein ein, verteilte die ungesäuerten Brote mit süßem Zimmt, Äpfelmuß, (zur symbolischen Erinnerung an die Lehm-Arbeit in Egypten) zu der Kinder Freude, und dann aber auch mit bittrem Kraut; er verlas die Hagada und sprach: Dies Brot des Elend's aßen unsere Väter, Wer Hunger hat, der komm' und nähre sich. Aber er sprach auch: Gott gieße Deinen Zorn aus über alle Die Heiden die Dich nicht erkannt. Und dieser Racheschrei war erklärlich. Denn: Mitten drin in der herrlichen Feier, Da die Knechte sich freier fühlten und freier, Da sie schwärmten von besseren, glücklichen Tagen, Wie oft hat da Tücke sie schmählich, erschlagen, Wie oft ward durch Bosheit und Übermut, Der Wein vom Seder verwandelt in Blut. Wie oft ward — und bis in die jüngsten Tage — den Juden vorgeworfen, was Manasse ben Israel (1656) und nach ihm Moses Mendelssohn (1783) „im Namen des ganzen Judentums" mit feierlichem Reinigungseid und „reinem Ge wissen" abgelehnt, jene grauenhafte, grundlose Verdächtigung, die vor wenigen Jahren in Damaskus so viel Unheil gestiftet und noch heute in den Köpfen beutelustiger Raubgesellen fortschwirrt: daß die Juden Christenblut zum Osterfeste benutzen — die grundloseste, perfideste und dennoch wie es scheint unvertilgbarste Weltlüge: Dies Höllenmärchen, seit Jahrhunderten Ein Freibrief für den Raub und Mord an Juden. 22*

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