Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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238 brachen im Jahre 1455 Tumulte gegen die Hebräer aus, schlimmere 1474 in Modena, wo ungefähr 400 getötet wurden. 1487 predigte ein Frater Giovanni Pistorio, ein königlicher Prediger, in der Kirche zu Syrakus gegen sie, und es war wunderbar, daß kein Exzeß folgte. Man suchte die alten Beschuldigungen hervor, welche von der unversöhnlichen Mißgunst gegen den von Gott gezeichneten Stamm unter den Christen genährt wurde, von der beständigeil pvrüäi», von den Künsten, mit welchen sie nie aufgehört hatten, die Gläubigen zu verderben und sie zu betrügen, uin sie in Apostaten zu verwandeln, und von den schon längst vergangenen Geschichten des Juden Nasa aus den Zeiten des heiligen Gregor Magnus, von Mago Diodoro, in den Zeiten des heiligen Leo, des Taumaturgen. Man ging herunter bis auf ein zur Zeit Peter II. von Aragon in Messina geopfertes Kind. Als man 1491 in Siemen die Charwoche feierte, und der heilige Zug gerade vor dem Hause des jüdischen Ritualbeamten vorbeiging, flog, so erzählt man, ein Sessel aus dem Fenster, welcher dem Erucisix einen Arm abbrach, worauf zwei Frater, Andreas und Bartolomäus Crisa, in das Haus gingen und den Missethäter töteten. Jene Provokation würde seitens des Opfers eine solche Blindheit und Narrheit gewesen sein, daß man sie für höchst unwahrscheinlich halten muß. Allerdings suchte die Justiz, welche wohl wissen mochte, was sie that, die beiden Mörder in Sicilien. Sie durchschifften den Ocean und stellten sich Ferdinand in Spanien vor. Da es Ferdinand nützte, jedes noch so sonderbare und absurde Gericht, welches den angenommenen Verordnungen entsprach, zu glauben, so sprach er sie frei und nahm sie mit Ehren auf. Der Vicekönig D'Acugna war nicht der Mann, um nicht zu fühlen, nach welcher Seite hin sich die allgemeine Stimmung unzweifelhaft wende. Zu jener Zeit befand er sich mit dem Tribunal und den königlichen Beamten in Messina, und hier legte er das königliche Edikt vom 31. März in sein Portefeuille zurück. Wie es scheint, bemühte man sich, in Bezug auf die Anwendung desselben Zweifel und Bedenken an dem königlichen Hof in Spanien zu erregen. Die Zeit verlief; es kam der festgesetzte Termin zur Vertreibung heran und es ging in Spanien munter vor sich. In Sicilien zögerte man noch mit der Veröffentlichung und der formellen Ausführung des königlichen Handschreibens. Man schärfte die Befehle ein und in der Notwendigkeit, Hand an die Sache zu legen, erschien am 24. Mai ein Aufruf des Vicekönigs, in welchem der Inhalt des königlichen Schreibens noch verschwiegen war, indem er sich besonders auf das beschränkte, was den Schein einer wohlthätigen Eile haben konnte. Man stellte die Juden und ihr Eigentum unter den Schutz der Regierung, und bedrohte diejenigen, welche sie zu beleidigen wagen würden, mit 4 Strickschlägen. Man kann sich denken, daß man bei den ersten Einwürfen, die von D'Acugna dem spanischen Hofe unterbreitet wurden, auf die Möglichkeit einer Empörung der Insel hinwies, wenigstens scheint es bewirkt zu haben, daß nach einem vom König ergangenen Befehl, am 28. d. Monats ein zweiter Aufruf des Vicekönigs erschien, welcher den Reichsbewohnern das Tragen der Waffen verbot; von diesem Verbot ausgenommen waren die Beamten, welche zur Bewachung der Israeliten und dessen, was sie betraf, bestimmt waren. Der Bürgermeister von Palermo sandte seinerseits den Magnificus Pier Antonio Jmperatore als Deputirten an den Vicekönig nach Messina, mit dem Aufträge, demselben über die schreckliche Bedrückung, die auf allen Gemütern lastete, zu berichten. Indes da sich die Wolken immer drohender zusammenzogen, so war es natürlich, daß man unter den I