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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-10-01 · Heft 10 (1.10.1882) · p. Seite 235

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (1.10.1882)
Date
1882-10-01
Page
Seite 235 (sequence 19)
Language
German
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235 um endlich wieder auf die ersten Sätze zurückzugelangen, und diese, mehr scharfsinnig als wahr, zu erklären. Solche Pilpulderaschoth kommen sogar heute noch vor. Für die Frauen herrschte die strengste pedantische Zucht. Mit dem Hochzeittage verfiel das Haar der Scheere. Von da ab ward eine seidene Unterhaube getragen. Ich entsinne mich aus frühester Jugendzeit, welchen Anstoß die erste Weigerung einer Braut, sich dieser barbarischen Tonsur zu unterwerfen, erregte. Sie verfiel der Mißbilligung, war aber der erfolgreiche Pionier für diese Reform. Heutzutage ist die Sitte des sogenannten Bedeckens noch eine gedankenlose Erinnerung an jenen Haarraub. Aus eigener Jugend erinnere ich mich noch, daß Juden in Deutschland vor 50 Jahren einen dreieckigen Hut als Sabbathschmuck trugen, das Taschentuch aber nicht in der Tasche, sondern um den Leib, weil der Bibelbuchstabe verbietet, etwas am Sabbath zu tragen. Am Sabbath ward nicht gekocht, der Kaffee aufgewärmt, ebenso die gebotenen drei Mahlzeiten. Das Schalet, Heine's „koscheres Ambrosia" leitet seinen Ursprung von diesem biblischen Feuerungsverbot her. Es ward durch Bettwärme ersetzt. Auch das Rauchen war streng pönt, und sehnsiichtig wie der Jüngling nach den Augensternen der Geliebten, blickte der Jude vor 50 Jahren nach den ersten drei Sternen ain Himmel, die ihm den Sabbathausgang verkündeten und das Rauchen gestatteten. Ward ein Kind geboren — und auch das habe ich mit angesehen — so war die Wochenstube mit hebräischen Tafeln behängt, auf denen kabbalistische Worte und Zeichen geschrieben standen, abergläubische Mittel, die böse Lilith zu vertreiben, welche die Kinder raubt. Und diese Tafeln waren Gemeindegut! Fortsetzung folgt.) Are Juden in Sicitien von Isidora La Lumia, aus dem Italienischen übersetzt von — d — k — Fortsetzung. V. Seit drei Jahren war Ferdinand D'Acugna Vicekönig von Sicilien, er war Graf von Buendia und Castilianer von Geburt. Die Männer, welche von dem Hofe fortgesandt wurden, waren nicht nach dem oft so unbedeutenden und lächerlichen Typus der anderen, welche dem Zeitalter des spanischen Verfalles folgten, geschaffen. Mochten sie indes gut oder schlecht sein, so besaßen sie doch meist Intelligenz, Thätigkeit und Energie, wodurch es der Nation gelang, sich zu erheben und sich auszuzeichnen. D'Acugna konnte zu den Guten gerechnet werden. Noch jung, kaum 35 Jahre alt, ernsten und imponirenden Ansehens, manierlich und höflich, im Wissen bewandert, erfahren in den militärischen Disziplinen, milden und rechtschaffenen Herzens, mäßig in seinen eigenen Neigungen, fern von fanatischer Hitze, (eine bewunderungswürdige Ausnahme für einen Spanier seiner Zeit), in dem, was sich auf Glaubenssachen bezog, folgte er dem Grafen von Seläfani, Don Gaspar Spes, welcher vom Reiche gehaßt und angeklagt wurde. D'Acugna begann sein Amt mit der Zusammenstellung von Seläfani's Prozeß. Durch solche Gaben 21*

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