Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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233 Keine Messe wird man singen, Keinen Kadisch wird man sagen, Nichts gesagt und nichts gesungen Wird an meinen Sterbetagen. — so hat er, der nun über 25 Jahre Hingeschiedene, mehr als den Kadisch und das Jahrzeitlicht—die unvergängliche Erinnerung in den Herzen der deutschen Juden verdient und errungen. Was er, und wenige gleich ihm, mit so berechr tigtem Stolze sagen durfte: Ich bin ein deutscher Dichter, Bekannt im deutschen Land. Nennt man die besten Namen Wird meiner auch genannt — dem dürfen die deutschen Juden mit besonderem Nachdruck zustiininen. Für die Gesinnungs- und Geistesverwandtschaft beider, durch acht Jahrhunderte getrennter Dichter, sprechen folgende zwei scharfe Epigramme: Jehuda ben Halevi: Ob Jsmael obsieget Ob's Edom unterlieget — Mein Weheruf gilt Beiden: Bleibt doch mein Loos stets — Leiden. Heinrich Heine: An Edom. Ein Jahrtausend schon und länger Dulden wir uns brüderlich, Du, du duldest daß ich athme, Daß Du rasest dulde ich. In seinem Alte Troll läßt Heine in einer, noch heutzutage für so manchen Handwerker, Kaufmann, Studenten, Juristen, Arzt, Gymnasiallehrer charakteristischen Weise seinen Tanzbär sagen: Ja, sogar die Juden sollen Volles Bürgerrecht genießen. Und gesetzlich gleichgestellt sein Allen andern Säugethieren. Nur das Tanzeu auf den Märkten Sei den Juden nicht gestattet, Dies Amendement, ich mach' es Im Interesse meiner Kunst. Aber Heinrich Heine war ein Schmetterling. Sein Freund und Jugendgefährte Leopold Zunz war die emsige Biene, deren Honig reiche Geistesnahrung auf neuerschlossenen Gebieten bot, deren Wachs das Licht spendete für das verzopfte, verfinsterte, vergitterte Judentum jener Zeit. Zunz hielt deutsche Predigten, führte eiuen geordneten deutschen Gottesdienst — wie er heute an vielen Orten heimisch — in Berlin ein: und die Altgläubigen riefen die Regierung gegen ihn zu Hilfe, der Tempel mußte (1823) geschlossen werden. Damals ward in Berlin — 50 Jahre nach Moses Mendelssohn, dem Vater der deutschen Bibel — von jüdischer Seite ernstlich der Satz aufgestellt: wenn auch der Jude nicht das, was er hebräisch betet, versteht, so versteht es doch Gott. Es ist bezeichnend, daß die Berliner Gemeindevorsteher bereits 1817 die Regierung um 21