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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-10-01 · Heft 10 (1.10.1882) · p. Seite 230

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (1.10.1882)
Date
1882-10-01
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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230 Müller, von seinem Standpunkte ans die von Spinoza gelieferte Statik der Leidenschaften für so gelungen erachtet, daß er eine Anzahl. Seiten seines Lehrbuches der menschlichen Physiologie mit der wörtlichen Übersetzung der betreffenden Aufstellungen (Spinozas) anfüllte. Diese Einreihung in ein Werk der Erfahrungswissenschaft kann als eine Art Zeugniß dafür gelten, daß der Verfasser desselben derMeinung war, Spinoza sei bei der Zergliederung der Affecte und bei der Darlegung ihrer gesetzmäßigen Einwirkungen auf einander in acht naturwissenschaftlicher Weise vorgegangen". „Auch wir", fährt Dühring fort, „sind der Ansicht, daß Spinoza für die innere Beobachtung dieses Gegenstandes in der günstigsten Lage war" u. s w. Auf der oben angegebenen Seite des Buches über die Juden heißt es aber trotzdem: „Der Jude will noch heute nicht einmal von eigentlicher Philosophie etwas wissen." Auch Spinoza ist nur eine halbe Ausnahme. In ihm kreuzte sich mit der Religion philosophische Anregung von Außen, wie sie im 17. Jahrhundert von Bruno und Descartes her mächtig wirkte. . ... Jene ungleichartige Kreuzung ergab aber eben auch ein Bastardgebilde!!" Was übrigens die eben erwähnte Gegenüberstellung von Descartes und Spinoza in der Judenschrift betrifft, so ist auch das Ergebnis dieser in der Geschichte der Philosophie für Dühring ein vollständig entgegengesetztes. Dort ist Descartes derjenige, der „die Volksvorstellungen in der Philosophie aufnah in und mit ihnen unbefangen operirte", während Spinoza „wirklich zu philosophieren" entschlossen, „eine Weltconception zu verzeichnen hat, neben welcher nicht noch eine zweite als unerklärliches Auskunftsmittel Platz hat." (3. Aufl. S. 283.) Auch auf S. 279 ist Spinoza Locke gegenüber derjenige, der das „geschlossenste" (2. Aust, „vollendetste") Erzeugnis des Systemgeistes, welches die neuere Zeit bis zu den jüngsten Produktionen herab kannte, hervorgebracht hat. Und wenn ferner Dühring in den angeführten Sätzen aus der Judenschrift den stillen Versuch macht, Spinoza in philosophische Abhängigkeit von Descartes (Cartesius) zu bringen, so stellen wir, wenn das Gegentheil nicht schon ohne dies aus den angeführten Sätzen, wie sie in 3. Aufl. seiner Geschichte zu finden sind, folgen muß, ihm noch folgenden Satz aus seinem genannten Geschichtswerke entgegen. „Spinozas Schriften werden selbst gegenwärtig mehr besprochen als studiert. Hieraus mag sich dann auch erklären, warum neuerdings der Einfall, diesen Deuker ersten Ranges als Cartesianer hinzustellen, nicht sofort die gebühren de Abweisung erfahren hat." (S. 281. 3. Aufl.) Hat auch Dühring mit seinem Verkleinerungs- und Verläumdungsversuch auf die Unkenntnis der Schriften Spinozas auf Seiten seines Publikums gerechnet V Die deutschen Juden vor und in fünfzig Jahren. Bon Emil Lehmann, Rechtsanwalt in Dresden. „Und der Herr sprach: Siehe da, ein Volk und eine Sprache für Alle, fangen sie so an, wer könnte ihnen widerstehn. Wohlan! Laßt uns ihre Sprache verwirren, daß Keiner den Andern verstehe." Daher nach der biblischen Sage der Name Babel. Und an eine Sprachverwirrung ähnlicher Art haben uns die drei letzten Jahre gemahnt, in denen der herrlichen Einigung unseres deutschen Vaterlandes

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