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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-10-01 · Heft 10 (1.10.1882) · p. Seite 229

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 10 (1.10.1882)
Date
1882-10-01
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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229 jedesmalige Wissenszweig mit sich brachte." Ich denke, der beste Beweis gegen die Wahrheit dieses Satzes, durch welche Dühring von den wahren Motiven seiner in der Aera Stöcker und Marr entstandenen Schrift gegen die Juden abzulenken sucht, ist in dem Ergebnis unserer Vergleichung der Dühring'schen Beurkundungen über die in Betracht komnienden Autoren jüdischer Abstammung, wie sie in der Schrift über die Judenfrage und in seinen wissenschaftlichen Fachschriften enthalten sind, gegeben. Bevor dieses in Betreff der andern Autoren geschieht, müssen wir nach dieser leider etwas zu lang gerathenen Digression, wie bereits angedeutet, auf Spinoza zurückgreifen. Auf S. 51 will Dühriug in der mathematischen Methode, nach welcher Spinoza sei philosophisches Hauptwerk dargestellt, nicht nur Spinozas wissenschaftliche, sondern sogar logische Unfähigkeit erkennen. „Er (Spinoza) möchte 'rein wissenschaftliche Folgerichtigkeit haben und versieht sich an der Mathematik, deren altes, eckiges Gerüst ihm die Stelle wirklicher Logik vertreten soll. Diese unschöne Gliederpuppenmanier der Darstellung und diese abrupten Rubriken mathematischer Art, in ungründlicher Form und an einenr ungeeigneten Stoff sind vollgültige Zeugnisse für den Mangel ... der liefern logischen Fähigkeiten". In der kritischen Geschichte der Philosophie S. 289 f. wird aber von Dühring die mathematische Methode Spinozas gerade im Gegenteil auf eine tiefere Einsicht in das Wesen alles menschlichen Denkens und aller Logik zurückgeführt. Spinoza hätte durch die Wahl dieser Methode eben nur bekundet: „Es gibt keinen doppelten Verstand und mithin auch keine doppelte Verknüpfungsart der Gedanken. Es gibt nicht zwei Grundgerüste der Logik, das eine etwa für die Mathematik, das andere für das übrige Wissen.Es ist also der allgemeine Gedanke von dem logischen Vorbild der Mathematik auszugehen, so wenig zu tadeln, daß er vielmehr als eines der Merkmale einer zutreffenden methodischen Richtung angesehen werden muß. Die 2. Aufl. hat hier noch den Zusatz: „denn sogar bei denen, welche glaubten die mathematische Methode für die Philosophie nicht verwerten zu können, ist, wie namentlich bei Kant die Mathematik in gewissen Richtungen Muster und Grundlage der gelungensten Conceptionen geworden." Mit der genannten Behauptung der logischen und wissenschaftlichen Unfähigkeiten Spinozas wie sie auf S 51 der Judenschrift aufgestellt wird, sind auch noch andere Sätze aus seiner „kritischen Geschichte der Philosophie (3. Aufl.) zu vergleichen, wie „man kann daher nicht genug auf die logische Consequenz Hinweisen, die Spinoza in der Vorstellung der Einheit des Seins zur Geltung bringt (S. 292.) „Die Auffassung der Dinge nach Maßgabe der wirkenden Caujalität ist ein Vorzug Spinozas, der in dieser Beziehung mit den Grundlagen der modernen Forschung zusammeustimmt." (S. 298.) Auf derselben Seite wird Spinozas Fassung und Geltendmachung der empirischen Causalität derjenigen Bacons gegenübergestellt. Der letztere wird bemängelt. „Spinoza hat dagegen großen wissenschaftlichen Takt bewiesen" u. s. w. Auf S. 301 ist von den „klassischen Zügen" der von Spinoza aufgestellten Theorie der Gemüthsbewegung die Rede. „In neuester Zeit", führt Dühring fort*), „hat auch ein deutscher Physiolog von Ruf, Johannes *) Wir wollen die Stelle in der 2. Ausl, lesen; sie findet sich in etwas gekürzter Form auch in der 3. Aufl., doch schon mit Schimpfereien auf „den deutschen Physiologen von einigem Professerruf" verquickt.

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