Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969684-2969695--0556-2970981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 setzen. Nach einer Bemerkung, die schon Eingangs dieser Zeilen Platz finden mußte, ist Dühring auch in seinen strengwissenschäftlichen Werken nirgends auf dem Standpunkt der redlichen und tendenzlosen Mitteilung unzutreffend den man bei wissenschaftlichen Autoren vorauszusetzen gewohnt ist. In der That haben wir jene für uns so wichtige Notiz nur einer bekannten Eigenschaft Dührings zu verdanken. Man hat sie häufig mit Größenwahn bezeichnet, doch bin ich meines Berufes kein Psychiater, um darüber etwas Bestimmtes auszusagen. Ich halte übrigens Dühring für noch etwas ganz anderes als für einen bloß mit Größenwahn Behafteten. Jene Notiz, das ergiebt der Zusammenhang, soll dem Leser als ein Jndieium dienen, welch' besonderer Aufmerksamkeit Dühring sich von Seiten der Juden zu erfreuen hat. Da einige Personen wissen konnten, was bei ihm im Pulte lag, so soll bei der Verbreitung einer unwahren Nachricht vom Tode Dührings eine „Aneignungsexpedition" noch seiner Wohnung unternommen worden sein„ um auf diese Weise die Herausgabe des „kleinen Werkchens" von Seiten der Erben zu verhindern! (Das Werkchen war also doch druckfertig und nicht bloß „im Wesentlichen fertig"!) Wer aber noch nicht wissen sollte, was er von solchen Berichten Dührings zu halten hat, für den soll hier etwas Platz finden, was in derselben Schrift auf Seite 230 zu lesen ist. „Namentlich wünschten die Juden, daß ich mich in Mathematik und Physik vergrübe (nämlich nach der Vertreibung von der Berliner Universität). „Ja", fährt Dühring fort, es gewann öfter den Anschein, als wenn dieAlIianceisra61ite daran ein Interesse nähme". Was die „Alliance isra^lite" nicht Alles soll! Sapienti sat! Ich meinerseits habe noch andere Gelegenheit gehabt, die vollständig fictive Natur der Nachrichten des Dr. Dühring über seine persöhnlichen Begegnungen zu erkennen. Ein anderer Nebenzug, der uns den Dr. Dühring von einer nicht minder schätzenswerthen Seite zeigt, ist auf S. 233 der genannten Schrift beurkundet. „Ich ließ die Judenschrift absichtlich erst später erscheinen, um noch vorher über den Gegenstand Vorträge zu halten." Auch hierüber könnte man sich mit einem gar nicht besonders hinzuzufügenden sapienti sat begnügen. Aber vielleicht unterläßt es doch mancher Leser durch diese Mitteilung Dührings darauf aufmerksam zu werden, wie ganz anders als alle bisherigen Denker, Forscher und - Dühring will alles in seiner Person vereinigt wissen — Reformatoren der Dr. Dühring sich auf das Geschäft versteht. Aus der Judenfrage Kapital zu schlageil, und zwar so viel wie möglich, hat der inoderne Gesinnungsphilosoph und gestrenge, unerbittliche Gesinnungskritiker, vor dem bekanntlich auch ein Kant keine Gnade finden konnte — sich keine Chance entgehen lassen mögen! Erst Vortrüge bei hohen Eintrittspreisen und dann ein Buch, auf welches in der letzten Vorlesung von Dr. Dühring höchsteigen, und in durchaus nicht zurückhaltender Form Hingelviesen lvurde. (Dafür gibts Ohrenzeugen, zu denen auch ich gehöre.) Doch find das nur, wie wir sie ausdrücklich bezeichneten, Nebenzüge. Aber was soll mau gegenüber einer Behauptung Dührings sagen, die in der Vorrede zu seiner Schrift über die Jlldeufrage in einer inehr audeutenden Form sich einführt, hier aber, nänilich in der „Sache Leben und Feinde" betitelten Schrift geradezu als eine objektive Thatsache hiugestellt wird? „Übrigens, so heißt es dort auf Seite 234 von der Schrift über die Juden, „war meine ganze Arbeit die Frucht eines Gedankens, den ich schon bald nach Beginn meiner Schriftstellerlaufbahn gefaßt hatte .... Nach und nach habe ich inzwischen in meinen verschiedenen Werken den Gegenstand in so weit behandelt, als es der