Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 eine „Ureigenschaft des Juden" deduciren. „Jene Geschichte", sagt er, „ist nämlich ein Handel, den Abraham mit dem Herrgott selbst abschließt." (Seite 43 der Judenschr.) Es ist bekannt, wie diese der kritischen Begabung eines Dühring etwas eigentümlich entsprechende Auffassung jener biblischen Erzählung weiter kolportirt ttntrbe und in den antisemitischen Versammlungen ein aus tausend Kehlen schallendes Echo gefunden hat. Dühring kann darauf stolz sein. Die heil. Schrift gegen die frivole Auslegungskunst eines Dühring und Seinesgleichen in Schutz nehmen, würde ihrer Würde und unsrer eignen Ehre allzuviel vergeben heißen. Wir können dies wohl im Sinne aller Confessionen sagen. Aber der geneigte Leser wolle es mir nicht übelnehmen, wenn ich das wenig oder gar nicht Vergleichbare für einen Augenblick vergleiche und grade durch die Erinnerung an jene Erzählung ans dem Leben Abrahams auf die gewaltige Kluft Hinweise, welche den modernen „Gesinnungsphilosophen" und „Gesinnungskritiker" Dühring von der Sinnesart und Herzensgerechtigkeit eines Abraham trennt. Der Gerechtigkeitssinn und die Menschenliebe des von ihm als Schacherjude hingestellten Abraham sträubt sich gegen den Gedanken, daß eine Gesammtheit verurteilt und gerichtet werde, wobei „der Gerechte gleich wäre dem Ungerechten". „Das sei ferne", sagt er, „sollte der Richter der ganzen Erde nicht Gerechtigkeit üben?!" (Gen. 18, 25.) So der natürliche Zug der Herzensgerechtigkeit Abrahams. Die Ranküne eines Dühring wendet sich aber zuerst gegen die Edelsten und Besten einer Gesammtheit, weil sie — einige persönliche Feinde oder wirklich schlechte Elemente zu treffen sich angetrieben fühlte! Doch verlieren wir durch solche Reflexionen, so unwillkührlich sie sich aufdrängen mögen, nicht unser Thema aus den Augen. Haben wir, um ein kritisches Maß für Dühring's Behauptungen in der fraglichen Schrift über die Juden zu gewinnen, es zunächst für das Wirksamste erachtet, Dühring gleichsam mit Dühring selbst zu messen, so konnten wir doch nicht umhin, das Ergebnis unsrer bisherigen Kritik der Sache auch gegen den Vertreter derselben etwas kritisch wirken zu lassen. Wir gingen davon aus, daß wenn überhaupt ein Mann von literarischem Charakter streng beim Wort zu nehmen ist, es Dühring gegenüber ganz besonders am Platze sein muß. Ist es ja aller Welt bekannt, wie Dühring die über alle Parteimeinungen erhaben sein sollende Souveränität oder, wie Dühring dieses Wort neuerdings verdeutscht hat, „Selbstherrlichkeit" aller^Wissenschaft und auch ihre päpstliche Unfehlbarkeit mit seiner Person und seinen Schriften zu vertreten vorgiebt, allen anderen Gelehrten aber, zumal wenn sie Professoren sind, wahre und ächte Wissenschaft zu beschaffen und zu vertreten, Fähigkeiten wie Absichten abspricht! Woher ein Maß nehmen für Dührings Ansichten und Einsichten, wenn Dühring und nur Dühring nach ächt sophistischer Manier „das Maß aller Dinge" abgegen soll? Dieses Dühringsche Maß ist also nothwendig etwas näher zu prüfen gewesen, zumal wir selbst damit gemessen werden..sollten! Überdies ist ja das hier Dühring zur Last gelegte doppelte Maß und Gewicht und dessen tendenziöse Handhabung nicht eine That, bei welcher der gereifte Mann für das zur Rechenschaft gezogen wird, was der Jüngling in ihm einst voreilig voreilig vollbracht hat. Nein, es handelt sich um doppelte Maße und Gewichte, die der an Jahren wahrlich nicht mehr unreife Mann (Dühring ist 1833 geboren) für einzelne hier in Betracht kommende Objekte fast gleichzeitig in seinen schriftstellerischen Gebrauch nahin. Fast gleichzeitig? — Ja, fast in demselben Athem hat Dühring über Spinoza, was dessen Leben und