Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 der nach den im vorigen Briefe mitgeteilten Sätzen aus Dührings Geschichte der Philosophie als ein Beispiel dafür zu gelten hatte, was Gesinnung bei einem Philosophen sei und sein soll, und wörtlich als berjent^c Philosoph bezeichnet wird, „aus dessen Studium jeder die edelsten Früchte ziehen wird" (Gesch. d. Philos. S. 3> und durch den Verkehr mit dessen Schriften „in ein Reich eintritt, in welchem der philosophische Ernst und die Kraft der philosophischen Gesinnung in einem Grade thätig gewesen sind, wie er in der gesammten Geschichte nur wenige Mal erreicht worden ist" iS. 316.) Derselbe Spinoza ferner, dessen „Leben sich als ein Bild der großartigsten (3. Ausl, durchgreifendsten) philosophischen Gesinnung darstellte" (S. 282) — derselbe Spinoza soll nunmehr, weil ein paar Journalisten von fraglich jüdischer Abstammung*) im Streite Dührings mit den Berliner Universitätsprofessoren auf Seite der letztem standen, von der Höhe gestoßen werden, wo er unter den ersten Größen der Philosophie- und Kulturgeschichte, unter den ersten Größen der modernen europäischen Civilisation seinen Platz erhalten hatte, er soll — es ist derselbe Dühring, der die oben citirten Sätze in sein Geschichtswerk schrieb und den folgenden in seine Schrift über die Judenfrage! — nur ein Beispiel sein, „an welchem erkannt werden soll, daß dix Juden, denen Dühring bekanntlich einen naturgesetzlich und daher ausnahmlos von Generation auf Generation sich fortpflanzenden Racenzug zur Coruption rc. zuschreibt, „von sich selbst und ihren Eigenschaften nicht zu erlösen sind!" Der Leser aber, der nach dem Mitgeteilten über den persönlichen Hintergrund und die moralische Beschaffenheit des Urhebers dieser Verläumduug und Verkleinerung Spinozas schwerlich noch weitere Zweifel hegen dürfte, wird wohl auch leicht darüber entscheiden, wer vor allen einer Erlösung von sich selbst und seinen Eigenschaften bedarf, eine solche aber schwerlich finden wird. Auch wird er da, wo Dührung trotz seiner eigenen und sonstigen Beurkundungen über Spinozas ideale, verklärte Gestalt die Stirn hatte, von „schlechten Judenzügen der Moral" Spinozas zu reden, nur die Züge eines mephistophelischen, zersetzenden und auch rachsüchtigen Geistes erkennen, der in Alles, was Dühring seit einem Jahrzehnt geschrieben hat, sich verwebt und leider für Viele nur da erkennbar wird, wo dem Gewebe Fäden unterlaufen, die ohne Weiteres bloßgelegt und in der Weise betrachtet werden können, wie es hier geschehen soll. Es werden ferner die angeblichen „moralischen Klippen, an die Spinozas speculatives Fahrzeug stieß, weil der Compaß jüdischer Moral schlecht orientirte" dem Leser zur Orientirung dienen in welchen Gewässern moralische Klippen die Ursache waren, daß ein wissenschaftliches Fahrzeug zerschellt und sein Jnsaß zu einer Art von fliegendem Holländer wurde. Aus jener von uns nicht weiter zu kennzeichnenden Fürbitte Abrahams für Sodom und Gomorrha (Genesis 18) will Dühring nichts Geringeres als *) Dühring stempelte bekanntlich jede bei ihm in Ungnade gerathene Person zum Juden. So erwähnt er in einer werter unten näher bezeichneten Schrift den Mathematiker Prof. Kummer in Berlin als einen Racen-Juden, Prof. I B. Meyer in Bonn als einen ..blonden evangelischen Juden", den verstorbenen berühmten Ophthalmologen Prof, von Gräfe als einen „Judenmischling". WelcheStudienund Tbatsachen solchen genealogischen Entdeckungen Dührings zu Grunde liegen, hat seine Stemplung LessingS zum Juden dargethan. Lessing war ein Jude, weil jetzt dieser Name unter Juden vorkommt! Als ehemaliger Jurist, bätte Dühring doch besondere Veranlassung zu wissen, seit wann die Juden in Deutschland allgemein Familiennamen führen. Aber das wäre nicht das einzige Beispiel Dühring'scher Ignoranz in allen geschichtlichen Dingen.