Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1882)
- Date
- 1882-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 oder verfehlt hat, — Daß Dühring in dem weitern Zusammenhänge der im ersten dieser Briefe mitgeteilten Sätze ans seinem Geschichtswerke den Versuch macht, den in Frage gekommenen Begriff des Attributs aus dem Systeme Spinoza's gänzlich zu eliminiren, muß jedoch ausdrücklich bemerkt werden. Die Tendenz aber, die Dühring in seiner Geschichte der Philosophie mit dieser Bemühung um Spinoza's Attributenlehre verfolgt — denn ohne Tendenz, das muß der Leser Dühringischer Schriften ein für alle mal festhalten, geschieht auch in Dührings wissenschaftlich ernstern und strengern Werken gar nichts — soll hier ebenfalls nicht weiter erörtert werden. Sie gehört nicht unter die Kategorie der gekennzeichneten und noch zu kennzeichnenden Art von Dührings doppelter Buchführung oder Buchhaltung in der Wissenschaft. Diese moralisch nicht schwer zu qualifieirende, bei der Versalität Dührings aber oft um so schwerer bloßzustellende Praktik, nach welcher Autoren und Sachen doppelt und in doppeltem Sinne gebucht werden, gehört, soweit zunächst jüdische Autoren von ihr heinigesucht wurden, noch ausschließlich zu unserem Thema. Bezüglich Spinozas war die im ersten dieser Briefe mitgeteilte Probe bereits kennzeichnend genug. Eine weitere Auslese solcher Proben soll die Kennzeichnitng vollenden. Aus Gründen aber, die weiter unten näher angegeben werden sollen, muß jedoch das, was Dühring gegen Spinoza unternommen hat, etwas cuesgiebiger berichtet werden. Wenn dem „Gesinnungsphilosophen" Dühring, dem „Lebens- und Wissenschaftsrefvrmator" — dieser Titel bezeichnet die neueste Prätension desselben — ein solches Doppelspiel möglich geworden, wenn er es über sich gewinnen konnte, den Gelehrten der Antisemiterei, die den Himmel wissen, was Spinoza gelehrt und gewollt hat, auch gegen den von ihm glorificirten „hochsinnigen Denker" mit Waffen und zwar vergifteten Waffen an die Hand zu gehen, so mag darin eine Consequenz eines literarischen Schicksals liegen, aber, aus dem Gesichtspunkte des persöhnlichen Wollens betrachtet, sicherlich keine solche, die ein Autor von Wissen und Gewissen vertreten kann. Erhöhte und gründlichere Wissenschaftlichkeit hat diese Consequenz nicht veranlaßt. Dieses dürfte nach weiterer Kenntnisnahme von Dührings neuestem literarischen Verhalten selbst dem verblendetsten Diihringianer kaum noch fraglich bleiben. Doch kehren wir zur sachlichen Beweisführung, wie sie im ersten dieser Briefe eingeleitet wurde, zurück. Um zunächst auf das logisch sich Widersprechende und daher als Thatsache Unmögliche in dem, was Dühring über Spinoza doppelt gebucht hat, wiederum hinzuweiseu — wenn man'sich überhaupt noch logisch bemühen soll, wo gar keine Logik maßgebend war — so ist festzuhalten: Spinoza kann unmöglich, wie zuni Beweise der Beschränktheit und Unfähigkeit des jüdischen Geistes auf dem Gebiete der Philosophie von Dühring S. 49 seines Buches über die Juden behauptet wird, einerseits mit dem Begriff „Substanz" die Vorstellung des „angestammten Herrgotts", eine Gottesvorstellung etwa, wie sie im alten Testament gelehrt wird*) verbunden haben, andererseits aber auch, wie a. a. O. des Dühringischen *) Die aber nach unserer Meinung, falls sie Spinoza thatiächlich gehegt hätte, auch diesem immensen Denker keine Unehre gemacht haben tvürde. Hat ja neuerdings sogar ein Erz-Schopenhauerianer, I)r. P. Deußen, gegenwärtig Docent der Philosophie an der Berliner Universität, nicht umhin gekonnt, trotz der bekannten Aussprüche seines Meisters, zu bemerken, der Theismus des alten Testaments sei, philosophisch betrachtet „eine Hypothese, über deren Kühnheit wir nur darum nicht erstannen, >veil wir sie von Jugend ans zu hören gewohnt sind!" lEIem. der Metaphys. § 177.) Auch was der wegen seiner seltenen Quellenforschungen und seltenen Objectivität ebensn berühmte wie verehrungswürdige Nestor der deutschenGeichtsschreibung Leopold von Ranke, der nach Abschluß einer glänzenden Reihe