Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 214 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969684-2969694--0541-2970965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 Sura ward fortan vergessen, Blühten doch in Spaniens Grenzen, Unter einem heitern Himmel, Gottes Wort und Juda's Zelte. — Ach, es gleicht dem Sendling Sura's Juda's Stamm in allen Zeiten, Der hinauszog für die Lehre, Für die Einigung der Menschheit. Manches Opfer mußt' er bringen, Manches theure Leben lassen, Cordoba, November 1881. Bis man endlich ihm vergönnet, Anzurufen Gottes Namen. In Gefahren und in Nöten, Die so grausam ihn betrafen, Ward zur Rettung ihm die Lehre, Ward ihm Trösterin und Balsam. Wenn sein Licht der Osten einzog Winkte liebevoll der Westen Und aus Gottes Pflanzung sproßte Immer wieder neues Leben. vr. Levin. Weferate und Wilteitungen. Bihliotheka rabhinica. Eine Sammlung alter Midraschim. Zum erste Male in's Deutsche übertragen von vr. A u g. Wünsche. (Leipzig. Otto Schulze.) „Die Hälfte der Tugend nimmt Zeus dem Manne, wenil der Tag der Knechtschaft ihm anbricht." Dieses homerische Wort hat gerade bei den Juden sich nicht bewährt. Viel eher hat das prophetische Wort hier Anwendung gefunden: „Wie die Eiche, wie die Terabinte bei ihrem Fällen einen Stamm noch zurückläßt, so wird eine heilige Nachkommenschaft als ihr Stamm Zurückbleiben." Herodes, das Werkzeug römischer Unterdrückung belagert mit römischen Heeren Jerusalem; unterdeß sitzen die lernbegierigen Jünger zu den Füßen Hillels, durch dessen sittlich erhabene Persönlichkeit Heiden an der Lehre des Judentums Gefallen finden, so daß sie dem Götzendrenste entsagen und die jüdische Lehre von der Einheit und Heiligkeit Gottes annehmen, die Lehre von der Liebe, die Hillel so schön zeichnet in den einfachen Worten: was dir nicht lieb ist, thu' deinem Nächsten nicht. Jerusalem fällt durch Hunger und Titus triumphirt auf seinen Trümmern. Der Jude erkennt sich nicht besiegt, denn er hat eine höhere Mission, als weltliche Herrschaft; Jochanan ben Sakkai erbittet sich von dem Sieger in Jabne das Studium des Gesetzes fortsetzeu und seinen Schülern es vortragen zu dürfen. Der Tempel ist gefallen, sagt Akiba, aber wir haben ein Sühnemittel nicht verloren; „Liebe verlange ich, spricht Gott und nicht Opfer." „Wer Werke der Liebe übt, ist ein Mitarbeiter Gottes am Werke der Schöpfung." Das Ideal, im Forschen und im Leben herrschend, erhob den Juden über die grausame Lage; er fühlte trotz der Ketten sich frei. Forschung, Wissenschaft, Begeisterung für das Ideale, werkthätige Liebe, Gewißheit des Sieges der Religion der Einheit, Heiligkeit und Unkörperlichkeit Gottes, die Lehre der Gottähnlichkeit des Menschen, über den Wahn der Vielgötterei, und der Verehrung des Sinnlichen bewahrte den Juden vor geistiger und sittlicher Knechtschaft und Versumpfung. Das Unglück hatte nicht entmutigt: es hatte die Überzeugung von dem unabwendbaren Sieg der Religion der Gotteinheit, der Wahrheit und Liebe stärker befestigt. Der Eifer in der Beschäftigung mit den heiligen Schriften