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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 213

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 213 (sequence 21)
Language
German
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213 Mose öen G-anoch. Ernst und schweigsam lauscht die Menge Cordobas ergrautem Rabbi, Der sich abmüht, zu erklären Eine Stelle aus dem Talmud. Unbemerkt tritt da in's Lehrhaus Seinem Ansehn' nach ein Bettler, Dem sein Söhnchen schüchtern folget, Hin und her die Blicke wendend. Auf des Rabbi Worte richtet Der Zerlumpte alle Sinne, Doch die Kräfte ihm versagen Und er setzt sich seufzend nieder. Auf den Stab sich stützend denkt er Seiner Fahrt und seines Schicksals, Und es fließen seine Thränen Und es senkt sein Haupt sich tiefer. Weine nicht, geliebter Vater, Streichelt ihn das treue Söhnchen, Lehrtest mich ja immer sagen: Es ist Gott, der giebt und nimmt. Doch es höret nicht der Arme Auf die wohlgemeinte Rede, Träumt von seiner treuen Gattin, Die ihm opferte das Leben. „Wird zu Teil die Auferstehung Denen, die im Meer versanken?" Fragte mich die reine Seele, Lächelnd harrte sie der Antwort. Sie umfaßt mich, wie noch niemals, Krampfhaft küssend Haupt und Hände, Glaubensmuthig, opferfreudig Blickt sie auf den Sohn und mich. Zeigend auf den Herrn des Schiffes, Der ihr schon seit Tagen nachstellt - Stürzt sie schnell sich in die Wogen Mit dem Ruf: Schma Israel! — Ernst und schweigsam lauscht die Menge Cordobas ergrautem Rabbi, Der sich abmüht, zu erklären Eine Stelle aus dem Talmud. Da aus seinem großen Schmerze Rafft sich auf der bleiche Pilger, Wirft zwei Worte in die Rede — Stutzend hält der Rabbi inne. Wer hat dieses ausgesprochen? Rief er hastig in die Halle Und man zerrt den Unbekannten An das Lehrpult hin zum Rabbi. Sprich, wer bist du, sonder Bangen, Zögre nicht mit deinem Worte Sprich, wie ist dein wahrer Name? Welchen Wegs bist du gekommen? Fern in Babylons Gefilden Blühte mir ein Glück, ein stilles, In den Marken Suras lehrt' ich Wahrheit üben, Recht und Frieden. Doch verfallen ist das Lehrhaus Und ich zog nun in die Fremde, Meine Brüder zu gewinnen Für das Haus und für die Lehre. Ward gefangen auf dem Wege Und mit Weib und Kind verkaufet, Hier in Cordoba erlösten Aus den Ketten mich die Brüder. Ehrerbietig steigt der Rabbi Von dem lang gepflegten Sitze: Dieser Platz gehört dem Wandrer, Der ihm neuen Glanz wird bringen. Mose ben Chanoch ward Rabbi Und es fesselten sich Schaaren An den bald berühmten Lehrer, Eine Zierde Cordoba's. Wer kennt nicht die hehren Namen, Die mit Cordoba verbunden? Chisdai und Samuuel nagid, Chanoch und du Gabirol. Aus dem Garten der Morena, Der erfüllt den Kreis mit Düften, Stammt der große Lehrer Mose, Stammt uns Maimon's großer Sohn.

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