Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Spricht zu ihm in zarten Worten, Daß darob das Volk erstaunet — Und es preist des Königs Gnade, Und es preist des Königs Laune. „Lös dich los von jenen Schaaren, Die gegreuzigt den Erlöser, Lös dich los von den Verstockten, Deren Weg nur führt zur Hölle." Wenn, entgegnet sanft Antonio, Wenn in Gottes Plan gelegen Seines Sohnes Kreuzesleiden, Um die Menschen zu erlösen. — Warum hasset Ihr dann Jene, Die den Gottesplan vollzogen? Warum hasset Ihr dann Jene, Die gethan, was Gott gewollet?! Wohlgeneigt vernimmt der König, Wie der Dichter ihm erwidert, Und es schien sein Herz zu rühren, Als er auf Antonio blickte. „Deine Rede laß ich gelten Und vergeben sei den Mördern, Doch nun glaub' auch an den Meister, Wolle dich uns zugesellen." Aber unser Dichter würdigt Nun den König keiner Rede, Der sich seine Seele rüstet, Vor den Herrn der Welt zu treten. Wüthend riß man von den Fingern Ihm die Haut und dann die Nägel, Still erduldet er die Qualen, Ließ die Henker still gewähren. Eh' den Holzstoß er bestiegen Öffnet er den Mund im Donner, Seinen Glauben zu verkünden, Zu lobsingen seinem Gotte. „Ewiger Hort, dein Thun ist grade; Recht sind alle deine Wege, Dir allein will ich vertrauen, Meine Seele dir empfehlen. Du vollkommen, ohne Zweiten, Warst noch eh' die Welt erstanden Und in alle Ewigkeiten Wird regieren nur Dein Name. Lissabon, Februar 1882. Hört mein letztes Wort, ihr Tauben, Hör' es Israel, mein theures; Unser Gott, er ist der Ew'ge, . Unser Gott ist ewig, einzig!" — Wie empor die Flammen züngeln - Wie empor sie knisternd flackern! Abzuwehren mit dem Tuche Sucht Antonio die Flammen. Da taucht einer jener Henker In das Pechfaß einen Besen, Kreist ihn um den Bart Antonio's Für die glühend muth'ge Rede. Wie der Schrei die Luft durchzittert! Wie das Volk jetzt selbst erbebet! Schauer malet jedes Antlitz, Dem noch eigen eine Seele. Wer sind jene Weibsgestalten, Die verzweiflungsvoll sich krümmen? Ach, es ist Antonio's Gattin, Ach, es ist Antonio's Mutter, Die man teuflisch hat gezwungen, Diesem Schauspiel beizuwohnen, Ob vielleicht ihr Sinn sich änd're Vor dem Zorngerichte Gottes? Jetzt sieht selbst man Männer weinen Und beim Fortgeh'n sprach ein Alter: Wahrlich, der gleicht jenen Helden, Die für ihren Glauben starben, Ob man sie an's Kreuz geschlagen, Oder ob man sie vergiftet — Dieser Mann steht neben Jenen, Die man feiert und verhimmelt. Auch die Zeit, sie hat gerichtet Über die entweihte Erde: Um vom Makel sich zu lösen Mußt' sie bebend sich versenken. Jener Bau der Glaubensrichter Ist verschwunden von dem Boden Lissabons und ein Theater Hat die Stätte sich erkoren. Mitleidsvoll blickt auf Domingo Dieser heitre Musentempel, Der den Lorbeer ewig wahret Allen, die gedient dem Schönen! vr. Lev in.