Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Damit die Hebräer inzwischen von Niemandem in den Ländern und Ortschaften, in denen sie bisher gelebt und gewohnt hatten, belästigt würden, stellte man sie für den Zeitraum, den man ihnen zur Abreise bewilligte und für weitere 40 Tage, nach welchen sie sich wirklich entfernt haben mußten, unter den Schutz des Königs. Da sie übrigens Schuldner von Summen an die Krone, die Kirche, die Stadt oder an Private sein konnten, so wurde ihnen eingeschärft, daß sie von dem eigenen Gut um so viel weniger mitnehmen durften, als zur Bezahlung dessen, was sie rechtmäßiger Weise schuldeten, genügte. Das Edikt begleiteten Instruktionen für die genaue Ausführung, welche an die Regierung jedes Reiches und jeder Provinz gerichtet waren. (Fortsetzung folgt.) Antonio Iotepda Silva.*) Auf dem Platze St. Domingo Bor der großen Klosterkirche Harrt gespannt die wüste Menge Auf die Scheiterhaufen blickend. Aus den Fenstern lugen Frauen In den hellsten Festgewändern Und es blitzen die Juwelen, Um den Festtag zu erhöhen. Gilt es doch Antonio heute, Den sie ihren Plautus heißen, Gilt es doch dem frühem Liebling Letzte Ehre zu erweisen. Der beschuldigt eines Rückfalls In den alten Bäterglauben — Ihn will nun das Volk verläugnen, Ihn im Flammentode schauen. Er, der sie mit seinem Spiele Oft gerühret und ergötzet, Heute wollen die Gemeinen An ihm selber sich ergötzen. Horch! schon tönt die düstre Glocke, Welche grauenvoll verkündet, Daß die Stunde war gekommen Für den unbeugsamen Sünder. Alles gafft jetzt nach der Straße, Welche zu dem Platze führet Und mit Schäckern und mit Spässen Sucht man sich die Zeit zu kürzen. Schau! da kommen sie die Schwarzen, Die den König stolz umgeben, Schau! da kommen auch die Frevler, Welche heute man verbrennet. Demuthvoll ist ihre Haltung Und mit flehentlichen Mienen Suchen sie wohl nach Erbarmen, Ob sich nicht noch Mitleid fände? Nur Antonio schreitet sicher Zu der schmucken Richtestätte, Ob er auch im Büßerkleide Und sein Antlitz abgehärmet. Wieder wendet sich der König Und versprechend an den Dichter, Daß er noch in letzter Stunde Seiner Seele Heil gewinne. *) Antonio Joss da Silva, einer Marannenfamilie entstammend, ward zu Rio Janeiro am 8. Mai 170b geboren. Sein Vater Ioüo Mendes da Silva war daselbst ein gesuchter Advokat. Als Lourenca, die Gattin Joäo's des heimlichen Judaismus angeklagt und 1713 nach Lissabon in den Kerker gesübrt wurde, folgte ihr dahin der Gatte mit seinen Kindern. Auch in Lissabon erwarb er sich bald als Advokat eine ausgebreitele Praxis, in welcher ihn später sein Sohn Antonio, nach zurückgelegten Studien in Eonnbra unterstützte. Antonio vermählte sich 173t mit Leonor de Carvelho, die in Valladolid wegen Judaisireus verurteilt wurde, sich aber durch die Flucht gerettet hatte. Ihre Ehe war durch ein Töchterchen gesegnet Wiederholt wurde Antonio por oulpas äs jndaismo angeklagt, bis man endlich 1739 den Feuertod über ihn verhängte, welches Urtheil am 19. Oktober 1739 in Lissabon vollstreckt wurde. Die Prozeßakten befinden sich noch im k. Archive 1'arrs äo tombo. An der Stelle des alten Jnquisitionsgebäudes welches das Erdbeben 17bb verschlang, steht heute das schöne Theater Donna Maria. 19*