Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 209 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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209 ■i niederträchtigen Charakters. Was die Confiscation anbetrifft, so kamen wohl einige Skrupeln in das Herz der ehrlichen und großmütigen Jsabella, aber es wurde nicht schwer sie zu überwinden. Es ist kaum nötig, daß man neben den beiden Gatten an einen dritten Namen erinnere, an den des Thomas Torquemada, eines Dominikaners, der Prior von Santa Cruz in Segovia und Beichtvater Jsvbellas während ihrer Jugend war. Er hatte ihr zu jener Zeit den formellen Eid abgenommen, daß sie nach ihrer Thronbesteigung sich der Ehre Gottes weihe, indem sie die Ketzerei aus ihrem Reiche bannen würde Nun war er der Aufreizer, der Rat, das wichtige Instrument in dem Werke, welches er durch den grausamen Fanatismus eines Mannes unterstützte, der das von ihm einmal angenommene Prinzip mit Feuer und Schwert dem ganzen menschlichen Geschlechte aufdringen möchte, ein Robespierre und ein St. Just des christlichen und katholischen Dogmas. Die Hebräer hatten in Spanien den Vorwand zu der wachsenden Strenge und der wachsenden Verfolgung des Königs in Glaubenssachen geliefert. Sie lebten hier seit den ältesten Zeiten in beträchtlicher Anzahl. Die Westgothen welche aus Arianern Orthodoxe geworden waren, kränkten sie durch schonungslose Gesetze; einer von ihnen machte sie ohne Unterschied zu Sklaven. Ihr Zustand veränderte sich mit der Eroberung der Araber, welchen sie sich vielleicht in der Verzweiflung zuwandten. Indem sie sie durch ihre eigene Mitwirkung begleiteten, schritten sie in Kunst und Wissenschaft vor, Als der Boden Spaniens die muselmännischen Eroberer vor der Gegenwehr des ursprünglichen und eingeborenen Volkes zurückweichen sah, waren die Hebräer fähig und gebildet genug, um von den sich wiedererhebenden Christen Achtung zu fordern. Bei den alten Königen Castiliens konnten sie insbesondere Schutz und Gunst genießen, doch verfehlte dies nicht, später den Neid zu erwecken. Mit den abergläubischen Vorurteilen des Volkes vereinigten sich ziemlich leicht die Aufreizungen und die Hetzereien der Geistlichen; daher brachen in Aragonien und in Castilien Tumulte und Gemetzel am Ende des XI V. Jahrhunderts aus. Später beschränkten strenge Edikte die Juden auf ihre Ghettos, verboten ihnen jeden Luxus und äußeren Schmuck, schlossen sie aus von den Gewerben des Arztes, des Apothekers, des Droguisten, von dem Amte eines öffentlichen Steuereinnehmers, eines Schaffners und eines Administrators der Edelleute, so daß ihnen wegen der schimpflichen und schweren Zunahme der Beleidigungen kein anderer Ausweg als eine Scheinbekehrnng blieb. So zählten die Neophiten zu Tausenden. Manche stiegen zu hohen Civilposten, und wurden sogar Würdenträger der Kirche. Doch mißtraute man, und der Zweifel war nicht ungerechtfertigt, der Aufrichtigkeit der Ncugetauften. Daher mehrten sich beim Beginn der Regierung Ferdinands und Jsabellas die Beschwerden der Dominikaner und der Bischöfe rings um den Thron. Diese waren die ersten offenbaren Ursachen der inquisitorischen Einrichtungen, der ersten Prozesse, der ersten Scheiterhaufen, auf welchen in den Plätzen Sevillas vorzugsweise Opfer des israelitischen Volkes verbrannt wurden. Viele der Verfolgten suchten bei den Mauren in Granada Zuflucht; andere gingen nach Frankreich, nach Deutschland und nach Italien. Als Sixtus IV. Papst wurde, fühlte er Mitleid mit ihnen, und schrieb den Inquisitoren, sie möchten ihren übertriebenen Eifer mäßigen. Am 25. November 1491 ergab sich Granada nach einem zehnjährigen Widerstande, den wir mit dem Trojas vergleichen können. Am 2. Januar des folgenden Jahres hielten Ferdinand und Jsabella ihren Einzug in die Alhambra, 19