Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208 dem Gesetze Kraft, verhalf zu einer guten und schnellen Gerechtigleitspflege, zügelte die kühne Überhebung der Adeligen, verschaffte der Krone eigene Erträge und eigene Waffen, schuf und beförderte den Ackerbau, die Industrie, den materiellen Wohlstand Spaniens und wurde dadurch wohlthätig. Der im Jahre 1481 unternommene Krieg gegen den letzten Rest der maurischen Herrschaft in Granada befriedigte in vieler Beziehung das Bedürfnis, den Instinkt und den Ruhm des iberischen Volkes. Aber dabei blieb Ferdinand nicht stehen. Die zarteste Sorgfalt für die Vorrechte seiner Monarchie zeigte sich in ihm verbunden mit der für die neu vereinigte Monarchie Spaniens indem er Akte ausführte, die weder zum Wohle des öffentlichen noch des spanischen Interesses gereichten. Der persönliche Despotismus des Königs nahm eine prächtige Idee in seinen Dienst, aus welcher, da sie übertrieben und misbrancht wurde, Schaden und Verderben entstehen konnte, wie es auch geschah. Er würde, wenn es möglich gewesen wäre, mit einem Schlage die lokalen und traditionellen Freiheiten, welche sich hier und da in den verschiedenen Teilen seines Reiches regten, zerstört haben, um sie zu Heugen und gleich zu machen unter einem Niveau leidenden Gehorsames unter seine oberherrliche Willkühr, welche bestimmt war auf jedem absolut und momentan zu lasten. Für ein solches Werk war die Zeit noch nicht vollkommen reif; aber Ferdinand fand für jetzt den Gedanken geeignet, daß der territorialen und politischen Einheit die Einheit des Glaubens im strengsten Sinn entspräche, was ihm einen Hobel in die Hand gegeben haben würde, um ihn über die Geister und Gewissen der Unterthanen gleichmäßig hingehen zu lassen. Religiöse Leidenschaften, immer lebendig in Spanien, aber jetzt mehr als je erregt durch die beendigte Episode des langen Kreuzzuges gegen die Mauren, bewegte in dieser untergeordneten Absicht den König. Inwiefern übrigens Ferdinand aufrichtig glaubte, der Sache des Himmels zu huldigen, bleibt unter den unserer menschlichen Natur verborgenen Geheimnissen. Wir wollen die Wirkungen, die daraus entsprangen, kurz beleuchten. Der erste Plan (welcher direkt gegen die Freiheiten und Privilegien seiner alten Provinzen gerichtet war) war ein häusliches Legat, welches er seinen Erben Karl V. und Philipp II. übergab. Und da man annehmen konnte, daß das Ziel das vereinigte und genügend assimilirte Reich sei; da ein Herzog von Lerma oder ein Graf Olivares von seinem Kabinette als begünstigter Minister in Madrid glauben konnte, daß, die Gefahr einer ernsten Opposition in jedem Winkel des großen Reiches, von den Pyrenäen bis zum mittelländischen Meer? und von da bis zum Oceane, beseitigt sei, wurde das Spanien der vergangenen glorreichen Tage das Vaterland der Staatsmänner und der Krieger des XV. und XVI. Jahrhnnderts, welche überall gefürchtet und geehrt waren, der stolze und lasterhafte Hof Philipp III. und seiner Nachfolger. Eine Inquisition, die als eine geistliche Institution den Bischöfen als Amt in ihren Diöcesen übergeben wurde, war schon längst in Spanien bekannt. Ferdinand nahm sie für sich in Anspruch, um sie zu einer Zugabe der königlichen Rechte zu machen. So verändert führte er sie im Jahre 1478 in Kastilien ein, 1484 in Aragonien, 1487 in Catalonien und später auch in seinen italienischen Besitzungen Sicilien und Sardinien. Aus religiösen und politischen Betrachtungen' erhabener und abstrakter Art, verschmähte er auch nicht, sich zu praktischeren Gesichtspunkten zu wenden und die reichen Leute, welche die Confiscation der Güter der Ungläubigen und Ketzer in den öffentlichen Schatz brachten, reizte die Begier des Gewinnes, ein anderer bemerkenswerter Zug jenes krummen und