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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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207 und verschwinden ließ, nicht ohne einen auf die ehrgeizige Mutter zuriickfallenden Verdacht einer heimlichen Vergiftung. Isabellen, der Schwester Heinrichs IV. von Trastamare, war die Nachfolge in Castilien nach einer Empörung der Großen und des Volkes gegen ihren eigenen Bruder und nach dem Skandal eines schimpflichen Protestes, durch welchen die Uuterthanen die Tochter Heinrichs von seiner legitimen Gemahlin als Bastard bezeichneten, versprochen. Als sich Jsabella zum Altar begab, war sie noch nicht zwanzig Jahr alt. Sie war anmutig, tugendhaft, hübsch und gebildet. Jedoch brachte sie der Geist der aufrichtigsten Demut, unterstützt von einer zu glühenden Fantasie unter den Einfluß jenes abergläubischen und intriguanten spanischen Clerus, durch welchen sie ihr natürliches Urteil und ihre natürliche Güte verlor. Ferdinand, welchem der Vater zum Dank für den glücklichen Ehestand seit längerer Zeit die Ehren eines Königs von Sicilien abgetreten hatte, beherrschte seit einigen Jahren die junge Gattin. Er stellte sich ihr vor, strahlend in männlicher Schönheit, in körperlichen: Eifer und frühzeitigem Ruhm, den er durch Bekämpfung und Unterwerfung der Catalonier, die sich gegen seinen Vater empört, erlangt hatte. Er sagte sich, Jsabella ist zwar fern von der väterlichen Schlauheit, deren Beispiele er gesehen hatte, doch würde niemand genügend eindringen können, um die Tiefe dieser Seele zu ergründen. Nach dem Ehevertrage sollten die Verlobten einmal zusammen in Castilien herrschen und von dort aus würde man im Namen der beiden jene Akten erlassen. Hingegen sollte in Aragonien, Catalonien, Sicilien und Sardinien Ferdinand allein regieren. Die erste Zeit verging dem königlichen Paare nicht sehr heiter. Durch Bürgerkriege und portugiesische Invasion, durch Kriege und französische Invasion in Aragonien war Ferdinand gezwungen sich da und dorthin zu wenden, von einem Punkte zum andern, von Jsabella zum Vater. Am Ende des Jahres 1474 starb der König, Heinrich IV, die kastilische Oberhoheit fiel an Ferdinand und Jsabella. Im Januar 1479 starb Johann, und Ferdinand nahm die väterlichen Staaten in Anspruch. Die Thatsache der Errichtung einer so großen Monarchie, das Ende des Jahrhunderte langen Kampfes gegen die Mauren, welches die direkte Folge war; Westindien, welches kurz darauf zu Spanien kam, die denkwürdigen Unternehmungen, die denkwürdigen Ereignisse, an welchen Spanien nachher in der Welt teilnehmen sollte, hervorragende Namen in jeder Art der kriegerischen wie bürgerlichen Unternehmungen, welche an jene Periode der neuen und plötzlichen Macht geknüpft sind, alles das hat über die Regierung Ferdinands und Jsabellas ein leuchtendes und wunderbares Prestige ausgebreitet. Für den spanischen Nationalstolz fand die Geschmeidigkeit und die enthusiastische Bewunderung ein genügendes Motiv. Aber von den modernen Schriftstellern, auch von solchen von Ansehen und großem Verdienst, für welche wir keine Entschuldigung zulassen können, sind, wie es uns scheint, jene Lobeserhebungen über ein vernünftiges und billiges Maß gedehnt worden. Was die äußereren Verhältnisse anbetrifft, die von Ferdinand in Italien verfolgte Politik, sein Betragen gegen die Aragonier Neapels, die von ihm verächtlich behandelt und geplündert wurden, so scheint es nicht, daß er sich sehr über die niedrige und treulose Art und Weise erhob, in welche troß der Flitter der wieder erstandenen Cultur im allgemeinen das Jahrhundert schmählich verlief. Was die innere Regierung anbetraf, so gab der Wunsch, bei seinen Unterthanen die Spuren der Zwietracht und die vergangenen Unruhen zu verwischen,

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