Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
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205 sehen zu haben angab, Propaganda zn machen und ihn überall als den eigentlichen von Gott verheißenen Messias zu proklamiren. In einem für alle jüd. Gemeinden des türkischen Reiches verfaßten Sendschreiben prophezeihte Nathan, „daß Sabbatai Zewi dem Sultan die Krone voni Haupt abnehmen und sie sich aufsetzen werde, während jener ihm wie ein Sklave wird folgen müssen." Durch diese und ähnliche Proklamationen wurde die rohe ungebildete dem Aberglauben huldigende Masse für Sabbatai gewonnen. Während seines Aufenthaltes in Jerusalem reiste Sabbatai einmal nach Egypten um in Kairo seinen Freund und Gönner, den sehr reichen seiner Munificenz und Herzengüte wegen allgemein verehrten Münzmeister Raphael Jesoph Chelebi zu bitten der armen und von irgend einem Pascha hart bedrängten Gemeinde zu Jerusalem Hülfe zu leisten. Chelebi nahm um so weniger Anstand dem Wunsche seines Günstlings zu entsprechen, als er, ein eifriger Verehrer der Kabbalah, in Sabbatai den wahren von Gott gesandten Messias erblicken zu müssen glaubte. Hier in Kairo heiratete Sabbatai im Hause seines Verehrers Chelebi ein schönes polnisches Mädchen von zweideutigem Rufe, Namens Sara, mit dem er nach Jerusalein zurückkehrte. Über die Art und Weise wie Sabbatai zu dieser dritten Frau gekommen ist, wurden allerlei abenteuerliche Gerüchte verbreitet, die darnach angetan waren den angeblichen Messias zu glorifizieren. Die Rabbinen Jerusalems waren jedoch über das Treiben Sabbatais und seiner Anhänger im höchsten Maße erbittert und bemühten sich ihm alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen. In Folge dessen fand es Sabbatai für angemessen Jerusalem zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren In Smyrna angelangt, wurde er im Triumph empfangen und die fanatisirte Menge rief begeistert aus: „Es lebe unser König, der Messias". Er wurde vom Volke abgöttisch verehrt und Niemand durfte es wagen seine Messianität in Zweifel zu ziehen vielweniger sie als Schwindel zu bezeichnen. Der greise Gelehrte Rabbin Aaron de le Papa, der den Muth hatte Sabbatai als Schwärmer und Betrüger zu kennzeichnen und gegen ihn den Bann zu schleudern, wurde genötigt Smyrna zu verlassen. Ebenso wurde der reichbegüterte, seiner Munificenz und seltenen Herzensgute wegen allgemein geachtete Chajim Pesia moralisch gezwungen Sabbatai als den von Gott gesandten Messias anzuerkennen, und ihn: alle möglichen Huldigungen zu bezeigen, obschon er in seinen: Innern von dem thörichten betrügerischen Treiben dieses Schwärmers auf's Genaueste überzeugt war. Diese Ereignisse verfehlten nicht auch außerhalb Smyrnas Sensation zu erregen. Propheten die plötzlich in Verzückungen geriethen, wurden nach allen Richtungen entsendet, uni für den wunderthätigen Messias Propaganda zu machen und alle Welt für die im Jahre 1666 stattfindende Erlösung vorzubereiten. Selbst auf den Hauptbörsen Europas wurde von Sabbatai Zewi, nüt besonderer Hochachtung und Verehrung gesprochen. Aus vielen Gegenden erschienen massenhafte Abgeordnete mit Geschenken, deren Zahl so groß war, daß Sabbatai anordnete täglich nur höchstens 50 vorzulassen. „Wenn Sabbatai Zewi", bemerkt Grätz sehr richtig, „bis dahin noch nicht an sich und seine Worte fest geglaubt hätte, so hätte diese Huldigung von fast der ganzen Judenheit in ihm den Glauben an sich erwecken müssen. Täglich liefen Nachricheen, Sendboden und Deputationen ein, die ihn in der schmeichelhaftesten Wendung als König der Juden begrüßten, ihm Hab und Leben zur Verfügung stellten und ihn nüt Geschenken überhäuften. Wäre er ein Mann von festem Plane und von Willenskraft gewesen, so hätte er mit diesem ungeheuchelten