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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 203

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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203 Saftßatai Zemi. Das Studium des kopfverwirrenden Kabbala hat im 17. Jahrhundert einen solch' riesigen Aufschwung genommen, daß selbst Jünglinge sich ausschließlich mit der Geheimlehre, die nach den Anschauungen der damaligen Zeit eine überaus ascetische Lebensweise erheischte, befaßten, während sie die Studien der talmudischen Literatur nicht bloß vernachläßigten sondern sogar entschieden perhorrescirten. Sie weihten und widmeten den größten Teil ihrer Kraft und Fähigkeiten kabbalistischen Schwärmereien und die natürliche Folge dieses unwürdigen und unjüdischen Treibens war, daß die Geister wahnumnachtet und die Herzen der Sitz gemeiner und niedriger Leidenschaften wurden. Der „Sohar", dieses antijüdische Grundsätze und Principien enthaltende Machwerk des Moses b. Schemtob aus Leon, der in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts blühte, wurde von ihnen, da sie ihn als Produkt des hervorragenden der Mystik huldigenden Tanaiten R. Simeon b. Jochai betrachteten, als eine heilige Bibel und jeder halbwegs routinirte Kabbalist und Abenteurer als ein Abgott verehrt. Die Mahnrufe der bedeutendsten und anerkanntesten rabbinischen Autoritäten, die auf die schädlichsten Folgen der mystischen Träumereien aufmerksam machten, verhallten vergeblich in der von kabbalistischen Schwärmereien verpesteten Luft. Ungesunde, ja höchstschädliche und geistvergiftende Miasmen stiegen aus der Erde empor und schwarze Gewitterwolken drohten den Horizont des ruhigen und friedlichen jüdischen Familienlebens zu verdunkeln und zu verdüstern wie überhaupt das Judentum in seinen Grundfesten gewaltig zu erschüttern. Während das schwache wehrlose Israel von Außen von erbitterten Gegnern, die sich's gleichsam zur Lebensaufgabe gestellt, die geistige moralische wie physische Existenz des Judentums in Frage zu stellen, bedroht wurde, haben seine innem Feinde, die Antitalmudisten und kabbalistischen Schwärmer, gleich wühlenden Maulwürfen an seinem Untergange gearbeitet. Der gefährlichste unter diesen Wühlern war Sabbatai Zewi, aus Smyrna, der mit seinem ungewöhnlich großen Anhänge dem Judentume furchtbare Wunden geschlagen hatte, die lange nicht vernarben konnten. Sabbatai Zewi hat am 9. Ab 1626 in Smyrna das Licht der Welt erblickt. Schon der Tag seiner Geburt, der 9. Ab, der für das Judentum zu wiederholten Malen so verhängnißvoll geworden, verdiente als ein böses Omen angesehen und verwünscht zu werden. Sein Vater Mordechai Zewi, der, aus Morea gebürtig, nach Smyrna übersiedelte und dort anfangs em Federviehändler war und später, als in Folge des zwischen der Türkei und Venedig ausgebrochenen Krieges viele holländische und englische Kaufhäuser der Sicherheit halber ihr Komptoir nach Smyrna verlegten, als Agent eines englischen Hauses fungirte, scheute keine Opfer, so es galt die Ausbildung seines von der Natur mit körperlicher Schönheit und hohen Geistesgaben reich ausgestatteten Sohnes Sabbatai zu fördern. Sabbatai besuchte im kaum beginnenden Jünglingsalter die Talmudschule des R. Jeseph Eskafa in Smyrna, die er aber nach wenigen Jahren verließ um sich den kabbalistischen Studien, für die er schon frühzeitig eine besondere Vorliebe bekundete, ungestört hingeben zu können. Abgeschlossen von dem Geräusche der Welt und dem Tummulte des Lebens, saß er m seinem Stübchen und vertiefte sich in die Kabbala, die er schwärmerisch liebte und der zu Liebe er bereitwilligst allen irdischen Vergnügungen entsagte. Er fastete vom Ausgange des einen Sabbath bis zum Eingänge des nächsten und badete täglich, sowohl im Sommer als im Winter im Meere. Seine ascetische Lebensweise,

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