Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1882)
- Date
- 1882-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Obschon Jsak de Castro in Amsterdam den größten Teil seiner Zeit und Kraft seinem ärztlichen Berufe geweiht und gewidmet hatte, war er doch aus allen Kräften bestrebt und bemüht in mehreren von ihm verfaßten Schriften als Kämpfer für die Wahrheiten des Judentums, dem er mit allen Fasern seines Lebens treu anhänglich war, aufzutreten. Seiner hohen und edlen Tugenden, wie seiner eminenten Gelehrsamkeit halber gehörte er zu den beliebtesten, populärsten und geachtetsten Persönlichkeiten Amsterdams. Nicht blos Marranen sondern auch Christen haben von der Toleranz der holländischen Regierung Gebrauch gemacht und sind in Amsterdam öffentlich zum Judentum übergetreten. Der bekannte Peter Johann Speeth nahm in Amsterdam 1677 das Judentum an und erhielt bei fernem Uebertritte den Namen Moses Germanus. Germanus wurde in Wien von katholischen Eltern geboren und in Augsburg erzogen und für den geistlichen Stand herangebildet. Während er als Christ eine Apologie für das Christentum geschrieben hatte, trat er später, nachdem er das Judentum, wie er sagt, aus innerer Überzeugung angenommen hatte, als eifrigster Verfechter desselben auf. Germanus starb in Amsterdam am 27. April 1701. Auch der gelehrte Pater Mena trat in Amsterdam 1656 zum Judentum über. Ursprünglich gehörte er dem Jesuiten-Orden an und wirkte mit vielem Eifer als Jesuit in Salamanca in Castilien, wo er seiner eminenten Gelehrsamkeit und ausgezeichneten Beredsamkeit halber sich der allgemeinen Achtung erfreute. Nichtsdestoweniger wurde er eines Verdachtes halber 1655 auf Befehl des Jnquisitionstribunals zu Walladolid in den Kerker geworfen, aus dem er nur in Folge der Anstrengungen und Bemühungen des Jesuiten-Ordens auf eine höchst eigentümliche Weise befreit wurde. Es wurde nämlich der Arzt der Inquisition von Seite des Jesuiten-Ordens ersucht die Erklärung abzugeben, daß Pater Mena nicht unbedenklich erkrankt sei, was dieser auch bereitwilligst that. In Folge dessen sah sich die Inquisition veranlaßt es zu gestatten, daß der erkrankte Pater aus dem Kerker in das Jesuiten-Kollegium zur Bewirtung gebracht werde, jedoch mit der Bedingung, daß ihn auch dort Jnquisitionsdiener zu überwachen haben. „Eines Tages nun, als die Jnquisitionsdiener zur Mittagszeit im Speisesaale versammelt waren, wurde im Kloster heftig zu läuten begonnen, und die Kunde verbreitet, daß Pater Mena gestorben sei. Um diesem Gerichte Wahrscheinlichkeit zu verleihen, wurde ein schon früher zu diesem Zwecke angefertigter mit Kleidern versehener falscher Leib mit falschem nachgemachtem Gesichte in einen Sarg gelegt und feierlichst zu Grabe getragen. Der wirkliche Pater Mena aber wurde heimlich über die Grenze geschafft, bestieg daselbst ein nach den Niederlanden abgehendes bereit stehendes Schiff und kam nach vielen überstandenen Gefahren glücklich in Amsterdam an. Im Jahre 1856 trat er zum Judentume über und soll als jüdischer Gelehrter sich einen Ruf erworben haben." (Bignon Gesch. d. Jesuit. 118.) Von den unzähligen Marranen, die im 17. Jahrhundert in Amsterdam zum Judentume übertraten, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Der Dichter Antonio Euriquez de Comez, der reich begüterte Isaak Penso, der sich seiner Herzensgüte, Freigebigkeit und Munificenz halber einer ungewöhnlichen Popularität zu erfreuen hatte, wie dessen Sohn Joseph Penso, der mehr seiner poetischen Begabung als seinen irdischen, zeitlichen Gütern den Ruf, welchen er sich erworben, zu verdanken hatte. Er verfaßte ein hebräisches Drama, das um jene Zeit ungewöhnliche Sensation erregte.