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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 200

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 Führer in der Hand hatten, nicht ertragen konnte, und diese waren grausam genug, statt mich zu unterstützen mich mit Schlägen vorwärts zu treiben. Wir traten in eine unterirdische Höhle, in welcher ein unheilschwangers Schweigen herrschte und über welcher die schrecklichen Worte standen: Marterkammer. Mitten in dieser Ti^erhöhle standen die Werkzeuge der Tortur und auf einer Erhöhung saßen drei Inquisitoren, das Gesicht unter einer Kaputze verborgen, als ob sie sich fürchteten, in ihrer wahren Gestalt vor ihren Opfern zu erscheinen. Der eine von ihnen verlangte von neuem von mir, meinen Vater der Anhänglichkeit an das Judentum zu beschuldigen; mit Abscheu widersetzte ich mich diesem unnatürlichen Verlangen und suchte vielmehr den Urheber meiner Tage zu rechtfertigen. Hierauf machte der Inquisitor ein Zeichen und zwei Männer kamen auf mich zu, welche lange schwarze Kleider trugen und. den Kopf ebenfalls in einer Kaputze so sehr verhüllt hatten, daß nur die nötige Öffnung für Mund, Nase und Augen blieb. Diese Schrecklichen waren die Henker. Sie ergriffen mich, entkleideten mich gar der Lumpen, die meine Blöße kaum deckten; hierauf ermahnte mich der Inquisitor nochmals, die Verbrechen meines Vaters zu gestehen, und als ich das nicht vermochte, befahl er, mir die Tortur des Strickes zu geben. Man band mir die Hände auf den Rücken und zog mich vermittelst derselben starken Schnur, welche auch durch einen am Gewölbe angebrachten Kloben ging, weit in die Höhe, ließ mich einige Minuten in diesem Zustande schweben, schnellte dann mit heftiger Gewalt die Schnur zurück, daß ich wieder mehrere Fuß gegen den Boden herabfuhr, ohne ihn zu erreichen, und schwebend über demselben hangen blieb. Der schreckliche Stoß verenkte mir alle Glieder und der dünne starke Strick, welcher meine Hände zusammenschnürte zerschnitt das Fleisch bis auf die Knochen. Ich war damals 23 Jahre alt, von kräftigem Körperbau und starkem, beharrlichen! Geiste, so daß ich diese abscheuliche Marter mit frischem Mute ertrug und fortwährend meinen Vater für unschuldig erkläte. Man brachte mich nun zur zweiten Folter, welche mir vermittelst des Wassers gegeben wurde, man spannte mich nämlich auf eine hölzerne Folterbank in Gestalt einer Dachrinne, deren beiden Seiten nur durch einen Querstab verbunden waren, und auf welcher der Körper, indem er zurückfiel, vermittelst eines angebrachten Mechanismus eine solche Lage annahm, daß der Kopf tiefer abwärts hing, die Füße aber erhöhet waren; diese Lage war peinlich und meine Glieder empfanden von dem Drucke des Strickes, mit welchem sie fest gebunden waren, einen brennenden Schmerz. Hierauf brachten die Henker in meinen geöffneten Mund eine feine durchnäßte Leinwand, von welcher ein Teil meine Nasenlöcher bedeckte, goßen fortwährend in die Mundhöhle und in die Nase Wasser, welches so langsam sich durch die Leiwand seihete, daß ich in meinem Munde keine Maaß Wasser zu verschlucken vermochte. Ich konnte nicht Atem schöpfen, machte die furchbarste Anstrengung, die Tropfen hinunter zu schlucken, hoffend dadurch ein wenig Lust zu erschnappen; da aber die Leinwand mir die Kehle verstopfte und das Wasser zu gleicher Zeit durch die Nasenlöcher floß, so könnt ihr leicht begreifen, welche unsägliche Pein ich ertrug. Ich war nahe daran zu ersticken, und machte daher in meiner Verzweiflung ein Zeichen, daß ich sprechen wollte, worauf man mich von meiner Qual befreite, und vor den Inquisitor führte. Ich bin Jude rief ich, verdiene den Tod und bitte dich, mir ihn auf der Stelle geben zu lassen, nur befreie niich von diesen fürchterlichen fruchtlosen Martern. Von dir ist nicht die Rede, entgegnete er mit einer Grabesstimme, sondern von

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