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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 198

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 zerstören, zu verderben und niederzureißen, zu bauen und zu pflanzen". Er war der König des Volkes durch seinen Geist, der Herrscher durch die moralische Gewalt seiner Persönlichkeit, der Gebieter durch den überwältigenden Eindruck seiner Rede, der Politiker und Lenker des Volkswillens durch den politischen Scharfblick, den er in der Umschau über die Völker verriet, er war der Richter, die öffentliche Stimme des Staatsgewissens und der Staatsmoral durch die schonungslose Geißelung und Aufdeckung aller sittlichen und moralischen Gebrechen des Volkes, der Fürsten und der Priester. Der Prophet war endlich die Wahrheit des Judentums, fiir welche er mit dem Mute und der Unerschrockenheit der Überzeugung eintrat, er war der Priester des Judentums, der gottbegnadete und gotterwählte Priester nicht durch Geburt und Salböl, sondern kraft seiner Fähigkeit, seiner Frömmigkeit und Begeisterung für Gott und Religion in dem großen Gottestempel der Welt, der den reinen Geist der Religion lehrte und Israel den Weg zeigte, diesen Geist zum Gemeingute aller Menschen zu machen, damit die Völker einst sich erheben und sprechen: „Auf laßt uns hinanziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jacobs, daß er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln in seinen Pfaden: denn von Zijon geht die Lehre aus und des Ewigen Wort von Jerusalem." Die zweite Neuschöpfung des jüdischen Staates trägt unverkennbar die Herrschaft der Tüchtigkeit als Stempel an sich. Der noch mit der Pietät des davidischen Abkömmlings behandelte und als König des neuen Reiches gedachte Zerubabel verschwindet spurlos; Jeschua, der Hohepriester, wird nicht als mit reinstem Gewände bekleidet vom Propheten dargestellt. Esra, der Priester, aber und Nehemia, der Mundschenk des persischen Königs, sind die Helden des Tages und der neuen Zeit. Esra der Priester, wird zum Sofer di. zum Volkslehrer und legt nicht den Schwerpunkt der Religion und des religiösen Lebens in den Tempel und den Opfercultus, sondern in die Lehre Moses. Aus dem engen mit Opferduft gefüllten Raume des Tempels trägt er die Religion und das religiöse Leben in die freie Atmosphäre des Tempelberges, und statt aus dunkeln Gebräuchen den Geist der Gotteslehre das Volk erraten, verstehen oder misverstehen zu lassen, vermittelte er durch die menschliche Sprache dem Volke den Willen und das Gesetz Gottes „deutlich mit Angabe des Sinnes, daß sie in das Gelesene Einsicht gewannen". Und die priesterliche Assistenz bei diesem Gottesdienste bestand darin, daß „die Leviten dem Volke die Lehre erläuterten." So kam aus der Priesterhand die jüdische Religion in die Hand des Lehrers; der Lehrer kann nur der Tüchtige und Fähige sein, will er lehren und im Lehramte Ansehen genießen; der Priesterstand war und blieb seitdem für die Erhaltung des Judentums unbedeutend und nebensächlich. Erst mit den Makkabäern erlangt das Priestertum wieder eine Bedeutung, aber nicht weil die Makkabäer, sondern trotzdem sie Priester waren. Denn Matithjahu, der Hasmonäer, gehört nicht einer hervorragenden Priesterfamilie an, scheint im Gegenteile ungekannt und bedeutungslos in Modin gelebt zu haben und nur der jüdische Gedanke, der so mächtig in ihm und in seinen Kindern lebte, erhob sie zu ungeahnter Höhe und Bedeutung im Judentume, welche sie aber nur so lange behaupteten, bis ein Tüchtigerer sie ihnen schwer aber dennoch entwand. Mit der Zerstörung des Tempels und der jüdischen Selbständigkeit geht der Herzschlag des jüdischen Lebens von der Schule, von dem Synhedrion aus, und Nachweisen, daß hier oder seit dieser Zeit Wissen, Tugend und Tüchtigkeit die Herrschaft im Judentum inne hatten, das wäre Geschichte der Juden nach der

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