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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 196

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Moses ist es auch, der die Leviten zur Probeablegung ihrer Eignung zur wahren priesterlichen Hingebung für Gott auffordert: „Füllet eure Hand heute für den Ewigen! Denn niancher muß wider seinen Sohn und wider seinen Bruder sein; um so heute Segen auf euch zu bringen." Nur die innere, die moralische Eignung macht die Leviten zu Priestern, läßt sie den Sieg erringen über Geburtsvorrecht, über ererbtes Recht, über die Majorität der Erstgeborenen. Korah, der dieses Prinzip zu einer die innere und äußere Vorzüge verwischenden Demokratie verallgemeinern will, indem er die Massen als gleich fähige hinstellt und die Herrschaft des tüchtigen Moses perhorreszirt, wird von Moses mit dem eigenen Prinzip ad absurdum geführt und die Herrschaft der Tüchtigen als die einzig mögliche bewiesen. Dem Vorwurfe, daß es „viel ist", die Gleichheit der Gemeinde stört, wenn es Höhergestellte giebt, setzt Moses mit vollem Rechte entgegen, daß dann auch der Stamm Levi als Priesterstamm „zu viel", überflüssig sei, und wenn die Tüchtigkeit den Stamm Levi zu einer Bedeutung aus dem Volke hervorgehoben, so müsse dasselbe für ihn und Ahron im Stamme Levi gelten. Nur einen Augenblick, so geht die jüdische Sage, fühlte Moses den Wunsch in seinem Vaterherzen sich regen: Ein Sohn möchte seinen Platz bei dem Volke, das er bis dahin geleitet und erzogen, einnehmen, wie er ja Ahron's Sohn, Eleasar mit der Hohenpriesterwürde des scheidenden Vaters bekleidet hatte. Gott der Herr aber bedeutete ihm: „Wer den Feigenbaum pflegt, wird die Früchte genießen", sagt das Sprichwort. Deine Kinder haben der Lust und dem Behagen des Lebens sich gewidmet, dem Dienst der Thora ihren Fleiß nicht geliehen, anders aber Josua, der unablässig deine Lehren in sich aufnahm, der soll dir folgen. (Midr. Tanch.guNumeri27, 16.) Das Priestertum, der Bund des Friedens, die Stetigkeit, der Konservatismus in aller Zeiten Wechsel, das Bleibende in dem Strom der Veränderungen, kann unverändert von Vater auf Sohn übergehen, die geistige Führung und Leitung, sie gehört demBesten. Thora (Wissenschaft), Tugend und Tüchtigkeit übergeht nicht von Vater auf Sohn, steht nicht unter dem Gesetz der leiblichen Vererbung, sagt der Talmud. (Nedarim 81a.) Die Periode der Richter, jener Männer, die nicht mehr durch unmittelbare Erwählung Gottes oder durch Weihe und Handauflegung der abtretenden oder sterbenden Führer, sondern durch Volkswahl an die Spitze der Stämme gestellt wurden, zeigt am deutlichsten die Verkörperung der Theorie persönlicher Tüchtigkeit. Othniel, der Sobn des Kenas, war ein jüngerer Bruder Kaleb's, der sich bei der Eroberung von Kiriath Sepher ausgezeichnet hatte, und erfüllt vom Geiste Gottes, war er Richter Israels, der siegreich gegen Aram kämpfte und einen 40jährigen Frieden sich und seinem Volke erkämpfte. Gideon, der durch einen Abgesandten Gottes den Auftrag erhält: „Mit dieser deiner Kraft gehe hin und befreie Israel aus der Hand Midians, denn ich schicke dich", er ist aus einem „Geschlechts, das das unansehnlichste in Menascheh ist, und ist der jüngste in seinem Vaterhause." Abimelech und Jephtah, die nichts weniger als einer Aristokratie der Geburt angehören, sind Aristokraten der Fähigkeit und des Mutes. Die auf sich selbst gestellte Kraft, das Können, das alle Hilfsmittel verschmäht, giebt uns das Bild Simsons. Und welchen bestechenden Gegensatz bietet die Persönlichkeit Samuels, dessen unvergleichliche und nicht leicht erreichte Thätigkeit für das geistige und materielle Wohl seines Volkes zu Eli, dem Richter, dem Priester durch Geburt! Der Emporkömmling durch eigene Kraft hier und der Hohepriester von Geburt da.

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