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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-09-01 · Heft 9 (1.9.1882) · p. Seite 195

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 9 (1.9.1882)
Date
1882-09-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 sobald das Verhältnis Esau's und Jakob's in den Gesichtskreis tritt. Esau giebt um einen kaum nennenswerten, um einen Spottpreis die Privilegien der Erstgeburt an Jacob, den jüngern ab. weil er gar kein Verständnis hat, „wozu ihm eigentlich dieser Geburtsvorzug gut ist." Nach den Worten unserer Weisen fühlt er keinen höheren Beruf und kein Verständnis für die daraus erwachsenden höher» Pflichten in sich und überläßt sie willig gegen einen für ihn bei weitem aufwiegenden Ersatz dem Fähigeren. Jacob, der in der Schule des Lebens und im schwersten Kampf um's Dasein wohl erprobte Patriarch, giebt dem Grundsätze: der Tüchtige soll herrschen! die vollgültige, weithinreichende Sanction. Rüben, der älteste, der keinen Vorzug hat (al toaar), muß dem jüngern Josef das Feld räumen. „Die Seguungen Jakobs, die die seiner Väter an Inhalt und Umfang übertreffen, sie werden kommen auf das Haupt Josefs, auf den Scheitel des Ausgezeichneten unter seinen Brüoern". (Gen. 49, 26). An Josef, der Ausnahne unter den Brüdern wegen seiner Tüchtigkeit, wird von Jacob wie zur Befestigung dieser Theorie, ein zweites Beispiel demonstrirt. Josef, der sich bereits in das egyptische Versteinerungssystem menschlicher Arbeit und Thätigkeit eingelebt hatte, nur ererbte Rechte, nur angeborene Vorzüge anerkannte, wünschte von seinem Vater diese Grundsätze an seinen eigenen Kindern geweiht und geheiligt und machte, als er nur die Kundgebung einer andern Absicht bei seinem Vater zu erraten glaubte, die größte Anstrengung, dem Menascheh, dem erstgeborenen, sein angeborenes Vorrecht zu wahren; doch nicht das Ansehen, nicht der innige Wunsch Josefs, dem er für sein Versprechen, ihn in Machpelah zu begraben, so sehr sich verpflichtet hielt, konnte den alten Jacob beirren, er zog den jüngern Ephraim dem älteren Menascheh vor, weil er die großen Fähigkeiten beider gegen einander haltend und abschätzend, dem jüngeren eine größere Tüchtigkeit zuerkennen mußte. Trotzdem Ephraim der jüngere war, bemerkt Bechaje, segnete er ihn bevorzugend, weil er mit richtigem Blicke seinen höhern inner» Wert sah. Moses, der erkorene und berufene Gottes, der „König in Israel war", ist von den drei Geschwistern, die Gott zu Führern Israels bestellt hatte, der jüngste, und er wurde erst bestellt, wie die Überlieferung in unvergleichlicher Poesie darstellt, nachdem Gott der Herr von seiner vorzüglichen Befähigung dazu die Proben gesehen. Moses, so wird erzählt (Midr. Exod. r. c. 2), weidete einst die Schafe seines Schwiegervaters Jethro in der Wüste, da entfloh ihm ein zartes Lämmchen. Moses folgte nun unverdrossen den Spuren des Lämmchens, bis er es ruhend fand. Einer nahen Quelle, die es zufällig erblickte, wandte es sich noch zu und labte sich an deren frischem Wasser. Daß der Durst es war, der dich veranlaßte, die Herde zu verlassen, das konnte ich nicht wissen, sprach Moses; sicherlich aber mußt du nun sehr müde sein, so will ich dich auf den Arm nehmen und nach Hause tragen. Hast du, sprach Gott zu Moses, so viel Mitgefühl für ein Tier, welch ein Hirte wirst du erst meinem Volke Israel sein! Abgesehen davon, daß der ältere Ahron Moses nur beigegeben wird, weil er „wohl redet" und sich zu ihm so verhält, wie der „Prophet zu seinem Gotte", so giebt sich der Geist und die Phantasie des jüdischen Volkes mit der Führerschaft der beiden andern Geschwister Moses nur zufrieden, wenn ein besonderes Verdienst und eine besondere Tüchtigkeit sie dazu auszeichnet; so ist es Mirjam's Verdienst, wenn Israel auf der Wüstenwanderung mit Wasser versorgt wird, und Ahrons Vorzug, wenn der verderbliche Sonnenbrand und der aufreibende Kampf mit den Wüstenvölkern durch die schützende Wolke von ihnen ferne gehalten wird. (Taanith 9a). 18*

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