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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 189

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 189 (sequence 21)
Language
German
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189 Eltern, die von Portugal nach Spanien übersiedelt sind und ihm eine ausgezeichnete Erziehung angedeihen ließen. Von der Vorsehung mit hohen Geisteszaben beglückt, studierte er mit großem Eifer und unermüdlichem Fleiße auf panischen Universitäten Philosophie und Medizin. Nachdem er seine dießbezügichen Studien absolvirt hatte, wurde er zum Professor der Metaphysik an der Universität von Salanmnca ernannt. Später kam er nach Sevilla, wo er sich als Leibarzt des Herzogs von Medina-Celi nicht unbedeutende Reichtümer erworben hatte. Er war bereits verheiratet und erfreute sich eines glücklichen Familienlebens, als die giftige, alles Edle und Bessere verzehrende und zerstörende Schlange (Inquisition genannt) ihn seiner heimlichen Anhänglichkeit an das Judentum halber, der ewigen Nacht des Kerkers preis gab, in welchem er drei Jahre lang schmachten mußte. Haarsträubend, Mark und Bein erschütternd sind die Schilderungen der Folterqualen, welchen er dort ausgesetzt war. Wenn er dessen ungeachtet dieselben, welche selbst einen Herkules hätten völlig vernichten müssen, glücklich überstanden und überdauert hatte, so hatte er es nur einem liberirdischen Wunder zu verdanken gehabt. Das Jnquisitionstribunal sah sich genötigt, ihn, da er trotz der unsäglichen Qualen kein Geständnis ablegte, aus Mangel an Beweis freizusprechen. Spanien jedoch mußte er sofort für immer verlassen. Er begab sich nach Toulouse, wo er zum Professor der Medizin an der Universität und zum Rate Ludwigs XI V. ernannt wurde. Trotz der geachteten und höchst günstigen Stellung, die er einnahm, fühlte er sich denn doch nicht ganz glücklich, weil er noch immer gezwungen war, die Maske des Christentums zu tragen. Um sich dieser ihm unerträglich gewordenen Bürde entledigen zu können, gab er diesen Posten auf und reiste nach Amsterdam, wo er 1866 den Glauben seiner Väter bekannte und den Namen Isaak annahm. Hier erfreute er sich bald eines guten Rufes als Arzt, als Gelehrter wie als wahrhaft frommer gottbegeisterter Jude. Um hier einigermaßen ein Bild der Grausamkeit, Tyranei und des furchtbaren, jedes menschlich fühlende Herz tief verletzenden und empörenden Barbarismus der spanischen Inquisition, die zur Ehre Gottes (?) im Geiste der Religion der Liebe (?) unzählige unschuldige Menschen zur Schlachtbank geführt, entwerfen zu können, glauben wir einiges aus einem durch Dessauer aus dem Französischen mitgeteilten Berichte um so mehr zu reproduzieren, als Orbio de Castro selber in demselben sein Märtyrertum in klarer und deutlicher Weise schildert. Er erzählt: Mein Vater hieß Don Caesar Orbio, er war einer der angesehensten Bürger in Madrid und im Besitze eines unermeßlichen Vermögens. Ihm gehörten die herrlichsten Paläste, die prachtvollsten Landsitze, Geld in Menge, die kostbarsten Geräte und eine zahlreiche Dienerschaft. Diese Reichtümer sind nicht von ihm. sondern von seinen Voreltern erworben worden, welche, um sie zu erhalten, sich sehr große Opfer auferlegen mußten Ihr alle habt ohne Zweifel schon von dem ungerechten geheimen Gerichte reden hören, welches man die Inquisition nennt, und welches unter dem Vorwände, die katholische Religion zu beschützen, sie mit untilgbaren Blutflecken beschmutzt hat. Von deni ersten Erscheinen dieses Gerichts in Spanien an verfolgte es die dortigen Juden, bis es sie endlich zwang, am 31. März 1492 ihr Vaterland zu verlassen. Man muß unter dem herrlichen Himmel dieser Halbinsel gelebt, . ihren an Vegetation so reichen Boden betreten haben, um zu begreifen , wie schwer es füllt, ein so schönes und liebliches Land zu verlassen, sich auf ewig von ihm zu trennen. Meinen Voreltern war es daher unmöglich, mit ihren Brüdern in's Exil zu wandern, und sie zogen es vor, dem äußern Zwange nach-

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