Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 188 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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188 merkte, mit dem Vorsatze diese Notizen später gehörig zu reinigen und zu ordnen." (Relivson S. 22. O. Delmedigo ibid.) Schaarenweise strömten wißbegierige Jünger sowol Karaiten als Rabbaniten zu ihm um in seinen Mußestunden in den verschiedenen Fächern der Wissenschaften von ihm belehrt und unterrichtet zu werden. Der am meisten von ihm begünstigte Schüler war Moses Metz. Dieser war aus allen Kräften bestrebt und bemüht überall für seinen Lehrer Propaganda zu machen, und ihn als einen Heiligen und großen Gelehrten, dem alle Pforten der Wissenschaften erschlossen sind, zu schildern. Alles war begierig den großen Gelehrteir kennen zu lernen, und Viele, denen es nicht gegönnt war ihn persönlich sprechen zu können, wandten sich brieflich mit verschiedenen wissenschaftliche Themata behandelnden Fragen an ihn. Am interessantesten ist die Korrespondenz die er mit dem Karäer Serach b. Nathan aus Troki unterhielt. Diesem reich begüterten aber wenig begabten Karäer gegenüber äußerte er sich in mißliebiger Weise gegen die Kabbala und ihre Verehrer, obschon er selber später sich genötigt sah für dieselbe eine Schutzschrift auszuarbeiten. Trotz der nicht unbedeutenden ärztlichen Praxis, deren er sich in Polen erfreute, sah er sich denn doch genötigt, nach wenigen Jahren seines dortigen Aufenthaltes dieses Land zu verlassen, und nach Deutschland auszuwandern. Anfangs wählte er Hamburg zu seinem Domizil, wo er einige Zeit als Prediger wirkte. Um die von Polen aus über ihn verbreiteten Gerüchte, als hätte er sich dort als Ketzer manifestirt, Lügen strafen zu können, fand er es für angemessen eine Apologie der Kabbyla unter dem Titel „Mezaref lechachma“ zu schreiben Als jedoch bald darauf in der Elbestadt die Pest furchtbar grassirte, verließ er dieselbe und verfügte sich vorläufig nach Glückstadt. Hier, wo er, wie er sich selber ausdrückte, — weder eine Stadt noch Glück gefunden — konnte er trotz seiner rabbinischen medizinischen philosophischen und mathematischen Kenntnisse sich keine Existenz gründen, daher er bald auch diese verlassen und sich nach Amsterdam begeben hatte. In dieser Gemeinde, wo Da Costa und Spinoza ihrer destruktiven das Judentum in seinen Grundfesten gewaltig erschütternden Ansichten wegen verketzert wurden, fand er trotz seiner vielseitigen Bildung auf den mannigfachen Gebieten der profanen Wissenschaften als Rabbiner und Prediger Anstellung. Seine Wanderlust ließ ihn aber auch hier nicht lange ruhen, und er verfügte sich nach einiger Zeit von da nach Frankfurt a. M. In dieser Stadt wirkte er segensreich einige Jahre als Gemeindearzt, bis er endlich nach Prag übersiedelte, wo er bis zu seinem am 16 Oktober erfolgten Tode verblieb. Von seinen zahlreichen Schriften sind blos „Elim“ „Magon Gannim“ „Mezaref lachachma“ „Nobloth chachma“ „Jgoret achus“ durch den Druck veröffentlicht worden. Zu den hervorragendsten Zeitgenossen Delmedigos gehörte der edle und biedere Simone Luzzatto, der gleichzeitig mit Leon Modena Mitglied des Rabbinatskollegiums zu Venedig war. Ein nicht zu unterschätzendes Verdienst erwarb sich Luzzatto durch seine Verteidigunsschrift für das Judentum, die er unter dem Titel „Abhandlung über den Stand der Hebräer" (Discorso circa il stato degli Hebrei Venedig 1638) veröffentlichte. töaftflfm: £>i*6to de (Cnflro. Zu den hervorragendsten jüdischen Gelehrten Amsterdams gehörte Baltasar Orbw de Castro (geb. 1616, gest. 1687). Er war der Sohn marranischer