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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 187

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 187 (sequence 19)
Language
German
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187 derselben zu erkennen, wissen aber ebensowenig, ob die nachfolgende Generation, wenn sie ein wenig auf unsere Zeit zurückblickt, sich nicht gleichfalls wundern und lächeln werde. Es sind gefallen: Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten, Schranken, Trennungen, Ausschließungen, welche mit Recht zerstört worden sind: dafür aber haben wir das Übermaß einer coneentrischen Anziehung, durch welche die Individualität und die socialen Vertretungen ahsorbirt und vernichtend erscheinen, und durch welche man, wie auf ein vörherentworfenes gleichmäßiges Modell, die Bewegung, den Gedanken, das Atmen und den Pulsschlag eines Jeden zurückführen möchte. Wir haben einen Weg betreten, auf dem uns seit dreitausend und mehr Jahren China vorangegangen ist. Wer auf die Fortschritte der Welt hofft, ruft noch jeden Tag herbei, an welchem ohne unendliche und fortdauernde Plackereien, ohne vorherseheude und blinde Vormundschaft die menschlichen Freiheiten in ihren Entwicklungen vollständig garantirt und beschützt werden, und an welchen die hereinbrechende Oberherrschaft des Staates einer glücklichen Harmonie wahrer und wirklicher lokaler, moralischer und materieller Interessen jeder Art weichen werde. Kehren wir zurück zu unserer Erzählung. (Fortsetzung folgt.) Heschichtsöikder aus der nachtalmudifchen Zeit bis auf die Gegenwart (1500—1880). Nach den Quellen bearbeitet von vr. M. H. Friedländer. Cßüii 31tohcnn und Joses Sofomo Delmedigo. Von Kairo reiste Delmedigo nach Constantinopel, wo er sich mit karaitischen Gelehrten befreundete, und in ihre Schriften vertiefte. Von da wanderte er anstatt nach Palästina, wie er anfangs beabsichtigte, über die Walachai und Moldau noch Polen. Hier wo die Menschheit im allgemeinen noch auf sehr niedriger Stufe der Kultur und Bildung stand, sah er sich genötigt um sein Dasein fristen'zu können, von seiner Kenntnis der Arzneikunde Gebrauch zu machen, Als rationeller Arzt erfreute er sich bald einer ausgebreiteten Praxis, und wurde später gar von dem Fürsten Radziwil bei Wilna zu seinem Leibarzte ernannt. Seinen Aufenthalt daselbst schilderte er auf folgende Weise: „Ich habe dir oft gesagt, daß ich die Jahre hindurch, welche ich in Rußland, Polen und Lithauen zubrachte, keine Woche ruhig verlebte, da ich von einem Orte zum andern wandern mußte, um Kranke zu heilen; die Fürsten und Edelleute wohnen nämlich dort nicht in großen Städten, sondern auf Dörfern, wegen der großen Anzahl von Leibeignen und Pferden, die einen großen Aufwand erfordern würden. Wenn ich nun so im Wagen saß, auf dem Wege durch Wälder allein mit meinen und der Edelleute Dienern, konnte ich mit Niemandem sprechen, da das gemeine Volk ohne jede gesellige Sitte ist, und unwissend in jeder Beziehung; da saß ich dann still und in mich gekehrt, über mancherlei nachdenkend, und so kam mir mancher gute Gedanke, den ich des Abends, sobald ich in die Herberge kam, kurz aufzeichnete, und wann ich wieder zu Hause ankam, suchte ich in Büchern nach, um den Gegenstand zu läutern und durch Beweise zu vervollständigen, was ich mir dann auch nur kurz mit Verweisung auf andere Schriftsteller an- 16*

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