Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 182 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Wirkung, so daß man ein Jahrhundert später unnutzerweise wieder davon sprach, ihn anzuwenden. In der Unruhe und der bürgerlichen Zwietracht, welche den anjou'schen Kriegen gefolgt waren, wurden die Hebräer entweder gar nicht beachtet, oder sie waren so mit dem Lande verwachsen, daß sie in die allgemeine Bewegung hineingezogen wurden, so daß beini Verfall des XIV. Jahrhundert, als die Martini mit großer Macht kamen, um für das Baronat, welches der wiederhergestellten Monarchie entgegengesetzt war, zu kämpfen, die Reichsten der israelitischen Gemeinden, die beiden an Geld knappen Fürsten unterstützten und dafür Bestätigung der alten Freiheiten und Gewohnheiten erhielten. Jedoch störte der Zweig des Hauses Aragon, welcher sich nach Sicilien mit der offenen Drohung verpflanzt hatte, die Krone der Insel mit der die drei spanischen Reiche Aragonien, Catalonien und Valencia zu vereinigen, nicht das Glück jener friedlichen und ruhigen Colonie. Die Expedition Martinis sollte gerade nach fremden Häfen abgehen, als, angestachelt von einem fanatischen Geistlichen, in Sicilien ein allgemeiner Aufstand gegen das jüdische Geschlecht ausbrach und 5000 grausam hingeopfert wurden. Abenteurer und gemeine Soldaten, welche die Martini bei ihren Unternehmungen begleiteten, trugen diese Gräuel in die von ihnen bei ihrer Ankunft besetzten Ortschaften, dadurch daß sie aus ihrer Heimat die Gefühle und Launen mitbrachten, welche dort der Antrieb zu der letzteren Katastrophe gewesen waren. So erregten sie, um ein ansteckendes Beispiel für die Völker zu werden, hier und da zum Schaden der Hebräer in Sicilien vorübergehende Ausstände, Gewaltthaten und Plünderungen. Die Juden blieben nur in Palermo, wohin sie zuerst ihren Mittelpunkt verlegt hatten, unabhängig. Die dortige Synagoge wurde in einem Diplom derselben Martini das Haupt und die Metropole aller anderen Synagogen des Reiches. Die Regierung beeilte sich Circulare zu schreiben und zu versenden, daß nian der Unordnung ein Ziel setze und nach den Urhebern derselben fahnde und sie bestrafe. Als die Martini ausgestorben waren, sah sich die jüngere Linie des castilischen Hauses von Trastamare, welche sich auf den Thron Äragons gesetzt hatte, auch aus der Insel anerkannt; diese war nun nicht mehr die Residenz eigener Herrscher. Durch die dynastische Vereinigung wurde das Geschick der sicilianischen Israeliten ein anderes, da sie notwendig die Veränderung erleiden mußten, welche ihre Glaubensgenossen in Spanien trafen. Der König Alfonso, der Nachfolger Ferdinands I., welcher der Gerechte genannt wurde, zog an seinen Hof unter anderen bedeutenden Männern, welche er aus Sicilien hatte konnnen lassen, einen Rabbiner aus Messina, namens Moses Bo navogliaZ, einen berühmten Mediziner. Der König liebte ihn so, daß er ihn auf allen Reisen und in den Kriegen mit sich führte. Doch scheint es, daß er sich seiner noch zu anderen Zwecken als zu gelehrten Unterredungen und ärztlichen Ratschlägen bediente. Als Alfonso einst sich in der Klemme befand, that er, als ob er eine Plünderung der Hebräer verlange. Der gute Rabbiner verwendete sich für seine Brüder auf der Insel. Durch seine Vermittlung zeigte sich der König milder und gefälliger und plünderte nicht einen Heller. Der König, der seinem Bruder 1458 folgte, trat beinahe in dessen Fußtapfen. Im Ganzen kam den Israeliten, wenn sie nicht aufhören wollten sich der Vorteile und der anfänglichen Vorrechte zu erfreuen, der Besitz manchmal 0 Sein hebräischer Name war Chefez, s. Zunz, zur Gesch. u. Literatur. S. 517. (Anmerk. d. Übers.)