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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 178

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 178 (sequence 10)
Language
German
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— 178 — sonderlichsten Zuschriften erhalten; so eine aus Berlin, worin der Gerichtspräsident airfgefordert wird, die Untersuchung einzustellen, indem ja die Grundlosigkeit der Anklage bis zur Evidenz erwiesen sei; eine andere, die den Rath ertheilt, den Sohn des Schächters, Moritz Scharf, zum Tode zu verurteilen, da der Bursche dann anders aussagen würde; und endlich eine, die dem Präsidenten empfiehlt, das Mädchen bei Jstoczy, Onody oder beim Eszläer Pfarrer suchen zu lassen, wo man es sicher finden werde. Auch allerlei ähnliche Rückerinnerungen ruft dieser Vorfall wach, die bezeugen, daß die Blutbeschuldigung der Juden in Ungarn nicht neu ist. Ich will hier nur zwei aus unserem Jahrhundert anführen. Ein ungarisches Blatt erzählt: In Nagy-Källo, ebenfalls im Szobolcser Comitate, lebte vor 50 Jahren der 113 Jahre alte Jude Fisch. Obgleich er mit einer sehr zahlreichen Familie gesegnet war - er hatte 150 Enkel — adoptirte er dennoch einen 12-jährigen Bauernknaben. Der kleine Jani hütete die Gänse auf der Tanya (Gehöft). Eines Tages verschwand der Kleine, als ob ihn die Erde verschlungen hätte. Man suchte ihn in Wald und Feld, konnte aber keine Spur von ihm entdecken. Da traf sich ein Weib, welches den Verdacht aussprach, daß der Knabe vom alten Fisch zu den jüdischen Ostern als Opfer geschlachtet worden sei. Das Gerücht verbreitete sich immer mehr und kam auch dem Comitats-Stuhlrichter zu Ohren. Der alte Fisch ward in den Kerker geschleppt und das Comitatsgericht trat zusammen, um den alten Juden zu richten, „der Christenblut vergossen." Es fanden sich zwei Zeugen, welche aussagten, sie hätten gesehen, wie der alte Fisch den Knaben Jani abfangen und in seine Wohnung bringen ließ. Ein anderer Zeuge sagte unter seinem Eide aus, er habe gesehen, wie der alte Fisch das Blut des zum Opfer geschlachteten Jani auffing. Auf Grund dieser Zeugenaussagen ward der alte Fisch zum Tode verurteilt. Obergespan des Szabolcser Comitates war damals I. K., ein Mann von biederem Charakter und großer Bildung. Er verzögerte so lange als möglich die Vollziehung des Todesurtheils, und die Entwicklung der Affaire gab ihm Recht. Ein Knecht des Fisch führte Heu in das dritte Dorf. Als er im Hotter dieses Waldes ankam, sah er den kleinen Jani am Wiesenrain eine Gänseheerde hüten. Er brachte den Knaben nach Nagy-KMo, um seinen Herrn aus seiner traurigen Lage zu befreien. Unterwegs erzählte der Knabe, er sei seinen! Adoptiv-Vater entlaufen, weil er an jenem Tage in der großen Hitze eingeschlafen war, und als er erwachte, sah, daß eineAnzahl Gänse fehlte. Aus Furcht vor der Strafe sei er in das dritte Dorf geflohen. Der kleine Jani ward sogleich dem Obergespan vorgeführt, der alte Fisch aber durch den Beschluß einer außerordentlichen Comitats-Congregation in Freiheit gesetzt. Die falschen Zeugen wurden zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Ein anderes Pendant zur Tisza-Eßläer Affaire liefert aus Felso-Jregh im Tvlnaer Comitat folgende wahre Geschichte: Im Jahre 1858, lautet eine verbürgte Erzählung, wurde in unserem Dorfe ein jüdischer Tempel gebaut. Zu dieser Zeit hatte ich ein junges Mädchen christlicher Confession im Dienste, welches schon längere Zeit bei mir war. Eines Tages kain die in meiner Nachbarschaft wohnende damalige Hebamme zu meinem Dienstmädchen uüd erzählte ihm, daß sie aus sicherer Quelle wisse, die Juden benötigten zur Einweihung des neuen Tempels Christenblut; das Mädchen sei zum Opfer ausersehen und sie gebe ihr daher den Rath, wenn ihr daher das Leben lieb sei, den Dienst sofort zu verlassen. Das Mädchen erschrack heftig und bat mich noch am selben

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