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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 175

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 fleißigen, achtungswerten Classe von Mitbürgern Besorgnisse hervorzurufen, indem solche Citate die ohnehin vorhandene Aufregung noch steigern könnten; allein Jstoczy erwiderte, daß er eben die gesteigerte Aufregung wolle, und rief mit großem Pathos, daß es sich hier möglicherweise um ein Verbrechen handle, das als ouuss c^Iebre die Runde in ganz Europa machen und für das Schicksal der Juden auf Jahrhunderte hinaus entscheidend sein wird. — Doch Tisza antwortete unter lebhafter Zustimmung: „Ich fühle mich verpflichtet, diese Interpellation sofort zu beantworten, und muß entschieden mißbilligen, daß eine Classe der Bürgerschaft hier niedrig und verächtlich genannt werde, in einem Augenblicke, wo der Interpellant selbst den Fall nur als Möglichkeit und ini Stadium der Untersuchung befindlich hinstellt. Ich muß ferner mißbilligen und dagegen protestiren, daß der Herr Abgeordnete hier in einer Weise spreche, die geeignet ist, draußen solche Aufregung hervorzurufen, deren Ausgang zu meistern nicht mehr in seiner Gewalt liegt. Sowohl ich als der Justizminister werden Alles aufbieten, um die Sache klarzustellen; ich werde aber als Minister auch dafür sorgen, daß, wenn diese Rede hier Gefahren außer dem Hause Hervorrufen sollte, diese Gefahren im Keime erstickt werden sollen." Aber als sollte der Unstern nur erscheinen, um desto mehr den Stern glänzen zu sehen, erhob sich ein anderer Abgeordneter, Daniel Jranyi, um seiner judenfreundlichen Interpellation eine warm gehaltene Motivirung vorauszuschicken. Er lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Ereignisse, deren Schauplatz Rußland war, und kann nicht umhin, seinem tiefen Bedauern und seiner Entrüstung über die Verfolgungen Ausdruck zu geben, welchen die Juden in Rußland ausgesetzt sind. Man müsse nachgerade zweifeln, ob man in Europa, oder in Asien, ob im 19. Jh. oder im finstern Mittelalter lebe. Die Haltung der russischen Regierung und Behörden verdiene die schärfste Verurteilung, Diese laue und feige Haltung beweise entweder unsagbare Ohnmacht, oder verkappte Mitschuld. Diese Ereignisse werden von einer Regierung geduldet, welche sich angeblich zur Aufgabe gemacht hat, andere Völker zu befreien. Er gibt nun eine eingehende Schilderung des Elends, welches die russischen Juden zur Auswanderung zwingt. Diese Auswanderung veranlaßte bereits mehrere Municipien des Landes, Petitionen an den Reichstag zu richten und diesen zu bitten, Fürsorge zu treffen, daß die massenhafte Einwanderung den wirthschaftlichen Interessen des Landes keinen Schaden bringe. Zweck seiner Interpellation sei indessen hauptsächlich, die Besorgnisse der israelitischen Mitbürger, welche in Folge der erwähnten Petitionen und anderer Umstände wachgerufen sind, zu zerstreuen." Redner weist darauf hin, daß die russischen Vorgänge in einzelnen Gegenden des Landes nicht spurlos vorübergegangen seien. Belege dafür sind die Ereignisse in Altsohl, wo judenfeindliche Plakate von den Behörden entfernt werden mußten; ferner der von Onody und Jstroczy vorgebrachte Fall. Er hofft, die Gerichte werden letzteren Fall streng untersuchen, und die eventuellen Schuldigen ihrem Richter nicht entziehen, Für ihn (Redner) ist Eines schon heute sicher': aus dieser Untersuchung werde sicherlich niemals das Resultat hervorgehen, wonach die Juden zu rituellen Zwecken Christeublut benöthigen. Das ist eine schmähliche Fabel, die im Mittelalter von Feinden der Juden erdichtet wurde. Seit Jahrhunderten wohnen Juden unter uns, und niemals ist ein Fall im ordent-

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