Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Sabbath!!) 12 Uhr Mittags sich zugetragen haben soll und dessen Heldin ein 14jähriges Christenmädchen aus Tisza-Eszlür, Namens Esther Solymossi, ist, welches der jüdische Schächter Salomon Schwarz in die Synagoge gelockt, dort geknebelt hat, und von welchem man nicht mehr wisse, was mit ihm geschehen und wohin es gekonimen sei. Angeblich wurde es ermordet, um sein Blut zu nehmen und dasselbe aus Anlaß des Backens von Osterbroden unter die orthodoxen Juden zu verteilen. Dieses hat das eigene Kind des Schächters erzählt; die Passanten vor der Synagoge wollen noch ganz deutlich Hilferufe gehört haben/' Soweit Onody; und die Blätter erzählen den Fall noch nach einem Briefe, den der katholische Pfarrer von Tisza-Eszlär an Onody sandte. — Charakterisirt es schon die Verhältnisse der Zeit, daß sich ein Mann im ungarischen Abgeordnetenhause findet, der einem solchen abergläubischen Unsinn Worte leiht und auch bei Andern Glauben für ein abgeschmacktes Märchen zu finden hofft, so ist es noch trauriger, daß sich daran eine parlamentarische Debatte geknüpft hat. Der bekannte Haman-Jstoczy erhob sich am folgenden Tage und interpellirte den Ministerpräsidenten Koloman v. Tisza mit folgenden Worten: „Im Anschlüsse an dasjenige, was der Abgeordnete Onody in der gestrigen Sitzung bezüglich des in Tisza-Eszlür in der Synagoge unmittelbar vor den jüdischen Osterfeiertagen durch den jüdischen Schächter Salomon Schwarz ermordeten Christenmädchens Esther Solymossi sagte, frage ich den Minister: Beabsichtigen Sie bei der unter den obwaltenden Umständen unberechenbaren Tragweite der Sache, dieselbe mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und darüber zu wachen, daß trotz der jetzt in Bewegung zu setzenden großen jüdischen Geldmittel der schuldige Jude oder die schuldigen Juden die gerechte Strafe erhalten?" Der Redner verliest zur Motivirung seiner Interpellation einen wahrscheinlich vom katholischen Geistlichen in Tisza-Eszlär an ihn gerichteten Brief. „Dieser Fall," sagt der Brief, „setzt Ihre (Jstoczy's) Bestrebungen ins rechte Licht und illustrirt den Fanatismus dieser widrigen und verächtlichen Race gegen Andersgläubige." Sodann wurde der Fall erzählt: Der jüdische Schächter Salomon Schwarz in Tisza-Eszlär soll das 14jährige Christenmädchen Esther Solymossi in der dortigen Synagoge ermordet und die Leiche in die Theiß geworfen haben. Die Aufregung gegen die Juden ist in Folge dieses Falles sehr groß, heißt es im Briefe weiter, weil man fürchte, daß es durch Aufbietung großer Geldmittel gelingen werde, den Fall zu vertuschen. Das 6jährige Kind des Thäters selbst habe den Fäll verraten , für welchen es übrigens mehrere Zeugen gebe. Dazu fügt Jstoczy hinzu, „daß hier die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, daß ein zu religiösen Zwecken verübter Mord vorliegt, begangen von einem Juden an einer Christin. Dieser Verdacht wird noch durch die Umstände bestärkt, daß der Mord in der Synagoge vor Ostern durch den zur rituellen Tötung bestellten Schächter vollbracht wurde. Seitdem das Christentum besteht, ist aus dem christlichen Bewußtsein niemals der Verdacht geschwunden, daß die Juden, natürlich nur die orthodoxen Juden, zu ihrer Osterfeier Christenblut benötigen." Mit einer Vorlesung aus Rohling's „Talmudjude," in welchem angeblich „geschichtliche" Belege für diese Annahme enthalten sind, schloß er seine judenfeindliche Philippika. Der Präsident verwehrte ihm zwar diese Citate mit dem Beinerken, daß ja der Gegenstand dieser Interpellation noch nicht erwiesen sei, daß eine solche Anklage von den fürchterlichsten Folgen sein kann und geeignet ist, in einer zahlreichen,