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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 172

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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- 172 die Möglichkeit und Fähigkeit gegeben ist, unserem erhabenen geschichtlichen Berufe nachzufolgen und die Lehre der Wahrheit, die wir unter harten Entbehrungen und schweren Leiden erhalten haben, zu verherrlichen und zu Ehren zu bringen, uns das Verständnis derselben und der Sinn für die edelsten Geistesgüter abgeht, daß da die Kenntnis derselben und dadurch auch die Liebe zu ihr aus unseren Herzen schwindet, liegt das zweite Grundübel, das an dem Lebensmarke Israels zehrt und das der Prophet mit so mutiger Offenheit und schneidender Derbheit den Abtrünnigen darstellt. „Selbst das Rind kennt seinen Herrn, das Lasttier die Krippe, aus der es ißt, aber Israel ist nicht erkenntlich und dem Volke Gottes fehlt die Einsicht." Die Macht der Religion, den Segen des Gottvertrauens, das unerschöpfliche Heil, das in der geistigen Gehobenheit, in der freudigen Hingebung an die Lehre der Wahrheit, in dem Verständnis der edleren und höheren Bestimmung des Menschen ruht, hat Israel in den Tagen seines Druckes wol erkannt und empfunden; Gott hat sich ihm in seiner Geschichte täglich in neuen Wundern offenbart. Die äußere Welt war ihm verschlossen, aber das Reich des Geistes lag vor ihm offen, da gründete es sich einen Boden unvergänglichen Bestandes, da streute es unablässig die Saaten der Erkenntnis und Tugend aus, deren Frucht dem sittlichen Geist in der Menschheit noch heute die reichste Nahrung und Kräftigung spendet. Ein ganz anderes als das gedrückte und geknechtete war aber das freie und selbständige Israel. Kaum hatte sich sein Bestand in Palästina befestigt, kaum hatte es zur Zeit der ersten Könige die Blüte seines Daseins erreicht, da welkte sein innerer Geist schon hin. Thörichter Gözendienst, blinde Nachahmung toller heidnischer Bräuche ist zur Zeit des ersten, innere Zersezung und Verachtung der heiniischen Geistesgüter zur Zeit des zweiten jüdischen Staates mit gänzlicher Unkenntnis der väterlichen Lehre, mit Mangel an Einsicht und Verständnis fiir den Geist des Judentums gepaart. Was anders konnte die Folge dieser inneren Entartung und Entfremdung für Israel sein, als der Zusammenbruch seines ganzen Volkslebens, als die Vernichtung seiner Macht und Einheit? Wie in Israel das Selbstbewußtsein, die Kenntnis seiner Lehre, die Würdigung jedes höheren Strebens, das ihm eigene geistige Leben erlischt und der Quell seiner Lehre versiegt, da hat es keinen Beruf in der Menschheit, da geht es, selbst wenn seine äußere Stellung noch so hoch steigt, nur immer mehr seinem Untergange entgegen. Es zeigt uns der neunte Ab, indem er auf die verödete Stätte Zion's unseren Blick hinlenkt, wie dem inneren Verfalle, der Abname an Erkenntnis, dem Untergange des religiösen Sinnes allinälich auch der äußere Untergang folgt, er fordert uns auf, daß wir das jüdische Geistesleben, das immer mehr hinsinkt und schwindet, wieder erwecken und anfachen, daß wir unsere Lehre von der Verkennung und Mißachtung, unter der sie in unserer Mitte leidet, befreien und sie zu neuer Ehre und höherem Glanze erheben. Der neunte Ab wird, wenn Israel noch so groß und angesehen sein wird, für uns ein Tag der Trauer bleiben, insolange die Lehre des Judentums trauern wird über die Abtrünnigkeit und Lieblosigkeit, mit der ihre eigenen Kinder sich ihr entfremden. So mögen wir denn auf die alten Klagetöne hören und, soweit es in unseren Kräften steht, endlich einmal, nachdem wir die Übel erkannt, an denen Israel krankt, wacker die Hand anlegen, um sie zu beheben, mögen wir ernstlich daran gehen, unsere Geistesschätze zu pflegen und alle Bestrebungen, die auf Veredlung und Verrlichung des Judentums ausgehen, zu fördern, damit

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