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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-08-01 · Heft 8 (1.8.1882) · p. Seite 170

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 8 (1.8.1882)
Date
1882-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 ausruft: „Wer machte meiu Haupt zu Wasser, mein Auge zu einem Thränenquell, auf daß ich Tag und Nacht weinen könnte um die Erschlagenen meines Volkes" währenddem sein Herz Ströme seiner Klage ergießt, im Geiste die Höhen der Hoffnung besteigt und über den rauchenden Trümmern Zion's die Botschaft des eiles dahinwehen läßt. „Die Gnade Gottes endet doch nicht, sein Erbarmen hört nie auf, es wird ein neuer Morgen emporsteigen, denn mächtig und ewig ist deine Wahrheit, der Glaube an den Ewigen ist meiner Seele Anteil und so ist auch ewig meine Hoffnung." Wol aber fordert die Trauerzeit uns dazu auf und ist das der Inhalt und Zweck unserer Trauer am neunten Ab, daß wir über die Ursachen Nachdenken, als deren Wirkung der Untergang Zions und die ganze daran sich knüpfende Leidensgeschichte Israels erscheint, den geistigen Verfall erkennen, der die traurigen Verhängnisse herbeiführte und von dieser Erkenntnis und Erfahrung auch in unserer Gegenwart uns leiten lassen. „Höret es, ihr Himmel, und vernimm es o Erde, denn das Wort des Ewigen ertönt," ruft der Prophet, indem er am Anbeginne seiner Rede, die Entartung und Sündhaftigkeit Israels schildert, aus. „Kinder habe ich groß gemacht und hochgestellt, da fielen sie von mir ab. Es kennt das Rind seinen Besitzer, das Lasttier die Krippe seines Herrn, aber bei Israel ist keine Erkenntnis, mein Volk will keine Einsicht." Der immer steigende Übermut und die immer sinkende Erkenntnis mitten in seinem Glücke, das sind die Grundfehler, durch welche Israels Größe und Blüte dahingeschwunden, durch die seine traurigen Geschicke verursacht und herbeigeführt worden sind. Diese Lehre, deren Nichtbeachtung für unsere Vorfahren von so schwerem Unheil gewesen, wollen wir verneinen, beherzigen und beachten, auf daß unsere Zukunft sich immer lichter und freundlicher gestalte. Daß der Mensch in der Stunde der Bedrängnis und in den Zeiten, da Not und Sorge ihn umgeben, bei dem höheren unsichtbaren Wefen, dessen Allmacht die Welt erhält, seine Zuflucht sucht und sich im Vertrauen zu dem Ewigen erhebt, der die Zeiten ändert und das Böse in Gutes umwandelt, ist in seiner Sinnesart und in seiner Gemütsverfassung so begründet, daß gewöhnlich zu dem Kummer der Gottesglaube, zu der Sorge die Frömmigkeit sich gesellt. In seinen Leiden gelangt der Mensch zu der Erkenntnis, daß alle seine Größe und Herrlichkeit doch nur hinfällig ist und Hilfe nur bei dem zu suchen und zu finden ist, der die Geschicke der Menschen leitet und in seiner Macht und Weisheit waltet über allen Welten und Zeiten. Es ist des Menschen höchste und wahre Bestimmung, den einen Gott zu erkennen und zu lieben, ihn zu verehren und zu verherrlichen durch heilige Gesinnung und edles Wirken, durch Thaten der Tugend und der Gerechtigkeit. Dazu ist ihm das Leben verliehen, dazu ist die Welt mit der ganzen Fülle ihrer Segnungen und Glücksgüter ihm eingeräunit, dazu sollen die Freuden und Herrlichkeiten dieser Erde ihm dienen, daran sollen die Leiden, die von Zeit zu Zeit ihn heimsuchen, ihn gemahnen. Er soll immer dessen eingedenk bleiben, daß, wie über der Erde hoch der Himmel sich ausbreitet, über dem niederen Irdischen, das vor ihm liegt, noch ein Höheres, Himmliches, Göttliches besteht, zu dem er mit seines Geistes Licht und mit seines Lebens Tat hinanzustreben den Beruf hat. Diese Lehre von der höheren Bestimmung des Menschen an sich zu befolgen und zu verwirklichen und damit allen Völkern der Erde ein leuchtendes Beispiel zu geben, das war und ist Israels Aufgabe, dazu wurde es durch die Leiden, die schon am Anbeginne seiner Geschichte es trafen, erzogen. Dieser Gedanke, dieses Streben sollte auch, als es zur Freiheit und Selbständigkeit heranreifte, als es zu Macht und Ansehen emporstieg, sein Bewußtsein erfüllen,

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