Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1882)
- Date
- 1882-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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flojmtär - rorespnsclraftltthe zur Aeleyrung n6cr Das Judentum für Gebildete aller Coiiskssionk». Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von vi Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 2. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. August 1882. Nummer 8. Was kernen wir vom neunten Aö? (Nach einer Rede von vr. N. Brüll.) Himmel und Erde ruft der Prophet, dessen wahrheitsvollen Mahnruf Israel an dem Trauersabbate in seinen Gotteshäusern ertönen läßt, als Zeugen an, ans daß sie vernemen das unsterbliche Gotteswort, das seine Lippen künden, auf daß sie einstimmen in die warnende Rede, die seinem erleuchteten Geiste, die seinem tiefbewegten Herzen entströmt. Und sie haben sie gehört, und wie Himmel und Erde nicht vergehen in dem rastlosen Wechsel der Gestaltungen und Erscheinungen, so hat das prophetische Wort sich verelvigt und stets von Neuem in die Denktafeln der Geschichte sich eingegraben. Jahrtausende sind dahingegangen, seitdem die traurige Verheißung sich erfüllt, seitdem Verderben und Elend über Israel hereingebrochen, und noch und wiederum haben sie für uns ihre große Bedeutung, ihre tiefe Wahrheit, die ergreifenden Worte, mit denen einst der begeisterte Seher die Entartung Israels geschildert hat. Wir wollen heute nicht die betrübenden Bilder aus der Geschichte unserer Vergangenheit in frischen Farben an unserm Auge vorüberführen, oblvol wir durch die Zeitereignisse zu sehr an sie erinnert lverden, nicht gedenken des Hohnes und der Herzlosigkeit, die Israel auf seinem Schmerzensgange durch eine lange, lange Zeit der Finsternis und Vereinsamung begleiteten; wir wollen an den Tagen, an denen mit den Erinnerungen an die zallosen Leiden, die Israel getroffen, Gefüle der Wehmut und Stimmen der Klage in unseren Herzen erwachen, der Gnade Gottes nicht vergessen, die uns stets erlöst hat, wie denn auch der edle Jeremias, der Mann, „der das Elend mit seiner Schreckensgeisel gesehen," der in seiner Trostlosigkeit