Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 167 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Weferate. Aas Buch Hiob und Göthre Kaust. Vortrag gehalten im Kaufmännischen Verein zu Darmstadt von Dr. Julius Landsberger, Großh. hessischem Landrabbiner. Darmstadt. G. Jonghaus'sche Hofbuchhandlung, Verlag. 1882. (31 S.) Schon vielfach sind Versuche gemacht worden im Allgemeinen geistesverwandtschaftliche Beziehungen zwischen' der morgenländischen Dichtung Hiob, deren Verfasser unbekannt geblieben und zwischen Göthes Faust festzustellen, ohne daß man den Kernpunkt der Frage klar und deutlich hervorgekehrt hätte und ein sicheres festes Resultat dadurch gewonnen worden wäre. Herr Dr. Landsberger hat im obbenannten klar durchdachten, schön dargestellten Vortrage sich die Aufgabe gestellt, nachzuweisen, daß Faust nicht nur an Hiob angelehnt ist, sondern daß er als notwendige Ergänzung zu der morgenländischen Dichtung ist, die nicht nur eine wertvolle Perle der hebräischen Literatur, sondern eine herrliche Blume im Kranze der Weltliteratur bildet, zu betrachten sei. Dieser Nachweis ist dem Verfasser auch völlig gelungen. Ist das Buch Hiob als die Geschichte der Versuchung des Menschen zum Abfalle von Gott anzusehen, in welchem die Leiden denselben herbeiführen sollen, so ist Göthes Faust insoferne als eine Ergänzung hiezu aufzufassen, als hier die sinnlichen Genüsse die Aufgabe haben, die Abtrünnigkeit des Menschen von Gott zu bewirken. In Hiob leert der Held den bitteren Kelch der Leiden, in Faust wird er durch den schäumenden Becher der Freude berauscht. In Hiob ist es das Unglück, in Faust das Glück, dort der Schmerz, hier die Freude, die Satan als Hebel ansetzt, um den Menschen zu Fall zu bringen. Beide Bücher erscheinen von verschiedenen Gedankenströmen durchflutet, die ein und derselben Quelle entsprungen und ein und dasselbe Ziel erreichen. Die Vergleichungspunkte beider Dichtungen liegen in den übereinstimmenden Prologen, in der Anknüpfung beider Dichtungen an eine vorhandene religiöse Volkssage und in der Erlösung beider Helden durch eine und dieselbe Macht, die Liebe. Die Erklärung des Wortes Mephistopheles betreffend verweisen wir auf die Allg. Ztg. des Judentums, Jahrg. 1879, wo Dr. N. Brüll in dieseni dunklen Worte eine Verballhornung des Namens: Mastiphat, >vie der Teufelsfürst Mastema des Jubiläenbuches und des Noach-Midrasch bei Cedrenus genannt wird, erblickt. Auf ein anderes gleichzeitig erschienenes Werk des Herrn Verfassers nlggere^ Baale Chajim,“ Abhandlung über die Tiere von Kalonymos ben Kalonymos u. s. w., werden wir demnächst zurückkommen. Die russischen Zudemiersolgungen. Fünfzehn Briefe aus Süd- Rußland. Frankfurt a. M., 1882. Verlag von I. Kauffmann. (61 S.) Es sind entsetzliche erschütternde Berichte, die uns in diesen fünfzehn Briefen vorgeführt werden, überboten nur durch die neuesten grausigen Vorkoinmnisse zu Balta in diesem Jahre. Habe und Ruhe und Ehre einer ganzen Bürgerklasse sind dem rohen wüsten Pöbel preisgegeben, der mit bestialischer Wut haust und an dem Schmerze der Not und dem Elende von Mitmenschen seine Lust und sein