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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 165

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 165 (sequence 21)
Language
German
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165 Sorgen, die ihm seine päpstliche Würde auferlegte, ein wachsames Auge auf Sicilien hatte, und daß er aus den weiten Besitztümern, die die römische Kirche dort hatte, eine Art Burg für die italienische Geistlichkeit gegen die beneidete Herrschaft der Lombarden bildete, weil er die Absicht hegte, den Einfluß der orientalischen Kirche zu vermindern, welcher sich an die Herrschaft, die sich die byzantinischen Kaiser auf der Insel bewahrt hatten, anlehnte. Die früher erwähnten Besitzungen waren zuerst aus Stiftungen der alten römischen Bürger durch Schenkungen und Vermächtnisse von Kaiser und Privaten in die lateinische Kirche übergegangen. Der Papst zog die Erträge derselben ein, übte daselbst die Gerichtsbarkeit durch eigene Beamte aus, und sandte Rektoren dahin, um die Ländereien zu verwalten. Unter Gregor war das Papsttum noch weit entfernt, sich mit dem Diadem zu schmücken und sich weltliche Herrschaft anzumaßen. Wenn es nichtsdestoweniger ein Beispiel eines Papstes giebt, der sich seiner höchsten Sendung bewußt ist und der verstanden und verehrt unter den Menschen weilte, so ist es gerade jene große Gestalt, welche hervorragt inmitten aller Finsternis und Calamität jener Zeit. Güte und evangelische Sanftmut fanden sich unter den Tugenden Gregors und vereinigten sich in seiner Seele zu mutiger Standhaftigkeit. Er versuchte mehr durch Lockungen als durch Verfolgungen Ketzer und Juden zum Glauben zu bekehren. Es finden sich häufig Briefe, in denen er seinen Schutz für die Israeliten Frankreichs, Siciliens und Sardiniens gegen den unruhigen Eifer der Bischöfe ausdehnte. Wir erfahren aus jenen Briefen, daß sich die Juden in ziemlicher Anzahl in Palermo, Messina, Catania und Girgenti aufhielten. In einem seiner Briefe wandte sich der Papst an den Subdiakonus Petrus, der Vikar und Verwalter des römischen Erbgutes auf der Insel war, und empfahl ihm einen Juden S alp in ge,„der seine Hilfe in Rom angerufen hatte, um denselben vor Belästigungen und Ärgernissen zu beschützen *). In einem andern Briefe schrieb Gregor an den Bischof von Palermo, er möge den Hebräern dieser Stadt, die sich über die erlittene Unbill, betreffs ihrer Synagoge, beklagt hatten, Recht verschaffen, da man ihnen verbot, eine neue Synagoge zu bauen und den Besitz der alten streitig machte 8). Da es schien, daß der -Bischof dem Befehl des Papstes nicht Folge leistete, so wandte sich letzterer, als er dies von seinem Notar Salenio, der sich gerade in Palermo befand, vernahm, an Fantino, den „Difensore" (eine Art Municipalbeamten) jener Stadt, damit dieser den Bischof zwinge, den Juden den Preis der in Besitz genommenen und zu christlichen Zwecken benutzten Gebäude zu bezahlen, weil man sie nicht mehr als Synagogen benutzen könne. Auch mußten die Gesetzbücher und die kostbaren neuerdings geraubten Geräte zurückgegeben werden. Wegen jener Akte der Menschlichkeit wollen wir nicht eine Anweisung des heiligen Vaters loben, die er mündlich seinem Rektor Petrus gab. Dieser sollte ihm nämlich alle Hebräer die als Kolonisten Kirchengüter besaßen, bezeichnen und ihnen versprechen, falls sie sich taufen lassen würden, als Belohnung ihnen einen Teil des Grundzinses zu erlassen, — ein genügend reiner Beweggrund zur Beförderung des Seelenheils! Dazu kam eine Denunciation gegen einen Israeliten, Namens Nasa, in welcher behauptet »vurde, daß Nasa dem Profeten Elia im eigenen Hause einen Altar geweiht habe, und die Christen durch List zwinge, *) Bei Giovanni, Codex Siciliae diplomaticus, num. LXIX. 8) Daselbst num. CXLVIII.

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