Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 164 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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164 teil genommen haben, in Verfall, so daß während einige sich mit dem armen christlichen Volke vermischten, und andere von Faro nach der Militärcolonie Apulien gingen, die Hebräer bis zum Verfall des XV. Jahrh. ruhig daselbst wohnen blieben. Plötzlich erheben sich in dem größten Glanze der Wiederherstellung Italiens, während gelehrte Untersuchungen, neue Handelsbeziehungen, der Compas, das Schießpulver und die Buchdruckerkunst das Aussehen ganz Europa's verändern, in einem Zeitalter, welches auch für Sicilien berühmte Autoritäten der Wissenschaft und Literatur hervorbrachte, jähe Stürme; die unglückliche Race wird in demselben Augenblick von dort verbannt, wo sie die Ächtung aus Spanien trifft. Dazu ist das Unglück in Sicilien noch von häßlicheren und traurigeren Umständen begleitet als diejenigen, die in anderen Ortschaften zu bemerken und zu beklagen sind. In Bezug auf das, was wir früher gehört hatten, kann diese Thatsache allerdings als Widerspruch erscheinen, doch ist es ziemlich leicht, sie zu erklären. Die Duldsamkeit, die wechselseitige Eintracht zwischen Menschen, zwar verschiedenen Glaubens, doch aber Bewohnern eines Vaterlandes, ergiebt sich auf natürliche Weise aus den Einrichtungen der nationalen Herrschaft, welche die Normannen in Palermo gründeten. Die heftige und willkührliche Verfolgung kam von außen, durch jenes feindliche Geschick, durch welches die Krone Siciliens fremden und fernern Herrschern verliehen wurde. Das wechselnde Geschick jenes israelitischen Stammes, die Formen, in denen er sich in Sicilien aufrecht erhielt, indem er eine besondere, sich unterscheidende, Gesellschaft bildete, die mit dem Inbegriff der allgemeinen Gesellschaft jener Tage übereinstimmte, sowie die Nachrichten von den wütenden Verfolgungen, von den vergeblichen örtlichen Bemühungen, dieselben fruchtlos zu machen, ebenso die Veränderungen, die die Insel in Folge dessen erlitt, erregen jedenfalls noch heute Neugierde und Interesse. Heute steht die Gewissensfreiheit an der Spitze unserer bürgerlichen und politischen Gesetze; trotzdem erachten wir es nicht für ungeeignet und überfliissig, aus alten Denkschriften eines italienischen Landes eine Episode auszuziehen, welche denen hinzuzufügen ist, die uns die Jahrbücher des modernen Europas von den Martern der Albingenser an, bis zu den Dragonaden des großen Königs, und von diesen bis zu den neuesten Bedrückungen der Polen, darbieten. II. Als Jerusalem unter Vespasian zerstört, und die Juden zerstreut wurden, drangen wahrscheinlich verschiedene von ihnen, wie in andere Teile des Reiches, auch in Sicilien ein und wurden mit Flüchtlingen, Sklaven und Gefangenen den wilden Tieren vorgeworfen, und zu den Kampfspielen im Circus verlvandt. Die früheste Erwähnung ihres Aufenthaltes findet sich in der Legende des heiligen Mariano, eines Bischofs, welcher vom heiligen Petrus nach Syrakus gesandt wurde, um dort das Evangelium zu predigen. Er soll daselbst aus Haß von den Israeliten getödtet worden sein'). Allerdings ist diese Erzählung von dem Hammer der heutigen Kritik in Bruchstücke zersplittert worden. Die ersten Notizen, aus denen wir ihre Anwesenheit mit Sicherheit entnehmen, knüpfen sich an das 6. Jahrhundert und an den heiligen Gregor den Großen. Für unseren Zweck genügt es im Vorübergehen zu bemerken, daß Gregor, trotz der vielen ') Siehe Gaetani, Vitae Sanctorum Siculorum, f. 1. f. 4.