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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 162

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 162 (sequence 18)
Language
German
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162 oft Gelegenheit einen Ausflug nach Venedig zu machen, wo er mit Leon Modena, der ihn lieb gewann, dem Antikabbalisten Josef Samijah und dem gründlichen Kenner der Philosophie Aron b. Abraham b. Samuel ibn Chajim fleißig in Berührung kam. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien kehrte er 1613 in die Heimat zurück, wo er sich bald verheiratete. Sein Wissensdurst war so groß, daß er weder Mühe noch Opfer scheuete um sich recht viel Bücher anschaffen zu können. Seine Bibliothek, die mehr als zehn Tausend Gulden gekostet hatte, soll über 7000 Werke enthalten haben. Da ihm die Frau frühzeitig starb und überdies seine philosophischen Ansichten in Candia verketzert wurden, sah er sich veranlaßt seine Heimat aufs Neue zu verlassen. Ungefähr 1616 griff er zum Wanderstabe und ging nach Egypten. In Kairo haben seine mathematischen Kenntnisse ungewöhnliche Sensation erregt. Er hatte nämlich dort Gelegenheit gefunden mit einem berühmten arabischen Mathematiker Namens Ali Ibn Rachmadan, der daselbst als öffentlicher Lehrer fungirte in Berührung zu kommen, der ihn herausforderte mit ihm öffentlich mathematische Disputationen zu halten. „Als ich hinkam, so erzählt Delmedigo, wollte er mich mit verwickelten und schwierigen mathematischen Fragen prüfen; ich aber wich ihm aus, denn während er in seinem Hause bei seinen Studien saß, war ich umhergeworfen und von Büchern entblößt. Allein er drang in mich sehr, so daß ich an einem Tage mit ihm zusammen kommen mußte, wo ein Jeder von uns dem Andern je zehn Fragen übergab, deren Auflösung nach Verlauf von vier Wochen in einer zweiten Zusammenkunft vorgetragen werden sollte. An dem bestimmten Tage fand ich eine zahlreiche Versammlung von vornehmen Mohamedanern, auch Rabbaniten, Karäer und Samaritaner, welche alle begierig waren den Ausgang dieses gelehrten Streites zu erfahren. Die Streitrichter nun bestimmten, ich solle zuerst seine Fragen schriftlich beantworten und sie ihnen vorlegen, und er soll dann folgen; dies machte mir sehr bange, da ich noch sehr jung war, er aber bereits alt. Aber was ich für schlimm hielt, wandte Gott für mich zum großen Heile. Die erste Frage nämlich, welche er mir aufgegeben hatte, war eine durchaus falsche, wie nicht nur aus dem 32. Lehrsätze im 1. Buche des Euklid hvrvorgeht, sondern auch aus dem 20. Lehrsätze in 1. B. des Menelaus, dessen Werk arabisch und hebräisch in Egypten jedem zugänglich ist Nun glaubte ich anfangs, er habe, eben um mich zu prüfen, mir niit Willen eine falsche Frage gestellt; allein er hatte in der That das Falsche nicht erkannt und bekannte dies auch nicht nach meiner Auseinandersetzung, sondern lachte spöttisch Sonnennnd Planetenschein huldigte, haben ihn seine Gegner beim Papst Urban Vlll., der als Cardinal sein Freund war, verdächtigt und als gefährlichen Ketzer verleumdet. In Folge dessen mußte er sich 1633 nach Rom verfügen, wo er, nachdem er einige Monate im Kerker geschmachtet hatte, sich gezwungen sah, öffentlich seine in seinen Werken medergeschriebenen Ansichten zu widerrufen. Rottek sagt: „Kein eindringlicheres Schauspiel, als das der knieenden Abbitte, die der Greis Galilei, aus dem Kerker der römischen Inquisition hervorgeschleppt, auf das Machtgebot des Papstes vor einer triumphirenden Monchsschaar darum leisten mußte (23. Juni 1633), weil er die gottlose Ketzerei des Umlaufs der Erde um die Sonne gelehrt. Man mochte Papst Urban Vlll Dank dafür zollen, daß er also die Anmaßung, über die Lehre zu herrschen in ihrer gleich großen Erbärmlichkeit als Abscheulichkeit darstellte. Doch der Hochmut der Gewalt erröthet selbst über dieses beschämende Beispiel nicht, und des Umstandes sich freuend, daß philosophische Wahrheiten — wie etwa des natürlichen Rechtes - so handgreiflich nicht sind, ob auch gleich unleugbar, als mathematische Sätze, erlaubt er sich bis auf den heutigen Tag Diktate in's Reich der Geister zu erlassen, will vollgiltig entscheiden über das, was er nicht kennt, will, daß Wahrheit sei, was ihm nützlich scheint, und Lüge, was er haßt." (R. Gescht. 7 B S 324.)

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