Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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161 habe um sie zu widerlegen. Ein Teil führt den Titel „Kol Sachal“ (Thorenstimmen) weil der Verfasser in derselben gegen das rabbinische Judentum zu Felde zieht, während der andere Teil, der die Widerlegung enthält, „LotiaaZat Arje“ (Löwengebrülle) genannt wird. Wenn man übrigens erwägt, daß Leon Modena sein Lebenlang von harten Schicksalsschlügen schwer geprüft und heimgesucht wurde und mit Mangel und Not mannigfacher Art zu kämpfen und zu ringen hatte,*) so wird man versucht die Inkonsequenz seines Charakters als eine natürliche Folge seiner unglücklichen Lage und höchst unerquicklichen Verhältnisse zu betrachten. In seinem von l>r. I. Fürst 1840 edirten „Ari Noham“ kämpfte er mit Entschiedenheit gegen die Kabbala und ihre Anhänger. In derselben bezeichnet er den 8obar, die Bibel der Kabbalisten, als ein schädliches Aberglauben und crasse Vorurteile förderndes Buch. Seine diesbezüglichen Ansichten fanden jedoch bei den der Kabbala huldigenden Zeitgenossen wenig Beachtung. Trotz seiner freisinnigen Ansichten fanden einige von ihm verfaßte Gebete Aufnahme in die Liturgie. So z. B: das „Jomse jehi misehkal kol chatosai“, das heute noch in fast allen Synagogen am Rüsttag des Neumonds beim Join- Kippur-Katon-©e6et gesungen wird. Eine in vieler Beziehung ihm ähnliche Gestalt war Josef Solomo Delmedigo (geb. 1591. gest. 1665.**) Auf der Insel Candia oder Kreta hatte Josef Salomo Delmedigo***) am 16 Juni 1591 das Licht der Welt erblickt. Sein Vater Eliah, der in Candia das Amt eines Rabbiners bekleidete war frühzeitig bemüht dem hochbegabten Sohne eine treffliche Erziehung angedeihen zu lassen. Er legte selbst Hand ans Werk und unterrichtete ihn in der rabbiuisch. talmud. Literatur, während er ihm von gediegenen Fachmännern in der griechischen, lateinischen, italienischen und spanischen Sprache Unterricht erteilen ließ. Nachdem Josef, dessen Scharfsinn und ausgezeichnetes Gedächtnis Bewunderung erregte, in diesen Sprachen wie in den mannigfachen Fächern der Wissenschaften riesige Fortschritte gemacht, bezog er in seinem fünfzehnten Lebensjahre die Hochschule zu Padua, wo er mit unermüdlichein Fleiße das Studium der Logik, der Philosophie, Mathematik, Astronomie und Medizin betrieb. Der berühmte Astronom und Mathematiker Galilei war sein Lehrer****). In Padua fand er *) Seine geliebte Braut starb ihm, sein tüchtiger Sohn Mordechai starb 1617, der Raufbold Sebulon wurde 1828 ermordet, ein dritter ist verschollen, seine Töchter wurden Wittwen und belasteten ihn mit Enkeln, endlich wurde seine Frau 164 l melancholisch und zuweilen tobsüchtig. Not und Schulden quälten ihn, was aus seinem begleitenden Worte zu einem Gedichte erhellt. Längst ist die Grabschrift abgeschickt, Doch Hab' ich kein Geld erblickt, Und dennoch ist's gerecht Verlangen, Den Lohn der Arbeit zu verlangen. (Geiger, Nachgel. Schriften, 2. Band, S. 194.) **) Notizen über Delmedigo verdanke ich dem in Odessa 1864 bei Belinson in hebr. Sprache erschienenen Merkchen „Toledot harav R. Josef Salomo Delmedigo", das mir der gelehrte H. Josef Löwy in Groß Kanizsa bereitwilligst zur Verfügung stellte. ***) Josef Salomo Delmedigo war ein Urenkel des berühmten Gelehrten Eliah Delmedigo, der im 15. Jahrhundert geblüht. (Vgl. unser Chachme Hadorot S. 120). ****) Der hochverdiente Galilei wurde am 18. Februar 1564 in Pisa geboren. Sein Vater Bincenzo Galilei ein Florentiner Edelmann ließ ihm eine gute Erziehung angedeihen. Der junge G. besuchte im Alter von 17 Jahren die Pisaer Universität, auf der er Medizin und Philosophie studierte. Seiner ungewöhnlichen Geistesgaben halber machte er bald auf allen Gebieten der philosophischen Wissenschaften, besonders aber in den Fächern der Astronomie und Mathematik solch riesige Fortschritte, daß er bald an derselben Universität als Professor der Mathematik angestellt wurde. Später wurde er vom Senate in Venedig als Universitätsprofessor nach Padua berufen. Als er jedoch in einem seiner berühmten Werke dem koperni konischen 14