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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 160

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 160 (sequence 16)
Language
German
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160 lienischen Literatur heimisch, betrieb fleißig philosophische und naturwissenschaftliche Studien, verstand treffliche hebräische und italienische Verse zu machen, und zeichnete sich durch eine ungewöhnliche oratorische Begabung vortheilhaft aus. Trotz seiner eminenten Gelehrsamkeit und hohen Geistesgaben verdiente er doch nicht als Musterbild gerühmt zu werden, weil ihm die wichtigste Tugend eines Volkslehrers nämlich die der Eharakterfestibkeit mangelte. Während er die Spielsucht in Wort und Schrift auf das entschiedenste perhorrescirte, opferte er selbst einen großen Teil seiner Zeit und seines Vermögens dieser gräßlichen Leidenschaft. Die Unbeständigkeit seines Charakters verleugnete sich auch in religiösen Dingen nicht. Grätz charakterisirte ihn auf folgende Weise: Er (Modena nämlich) hatte so wie keinen rechten Ernst, so auch keine rechte Überzeugung, oder vielmehr er hatte jeden Tag, je nach Laune Stimmung eine andere, ohne darum ein Heuchler,zu sein. Er konnte daher von sich sagen: „Ich gehöre nicht zu den Gefärbten, sondern mein äußeres Verhalten entspricht stets meinem Innern." Leon Modena war in der That in jedem Augenblicke aufrichtig. Er konnte in einem Tage für den Talmud und das rabbinische Judentum eine Lanze einlegen und an einem andern den Stab darüber brechen. Er ver.dammte das Spiel und beklagte sich über sein Mißgeschick, daß die Sterne ihm diesen unglückseligen Hang zugetheilt haben — er glaubte nämlich auch an Astrologie — und arbeitete doch ein talmudisches Gutachten zu dessen Verteidigung aus. Als das Venetianer Rabbinatskollegium den Bann über Karten und Würfel aussprach, wies er «ach, daß das Spiel nach talmudisch-rabbinischen Principien gestattet sei, und der Bann dagegen keine Berechtigung habe. Einst fragte ihn sein Jünger Josef Chamiz, Arzt und Mystiker, was er von der kabbalistischen Seelen Wanderung halte, worauf Leon Modena erwiderte: Einem Andern gegenüber würde er mit dem Munde die Frage bejahend beantworten, wenn er auch vom Gegenteil überzeugt wäre — um nicht als Ketzer und Thor verschrieen zu werden; ihm gegenüber wolle er aber sein aufrichtiges Bekenntnis aussprechen. Darauf arbeitete Leon Modena eine Schrift aus, um das Lächerliche und Ünjüdische an dem Seelenwanderungsglauben hervorzuheben. (Gesch. B. 10 S. 144.) Leon Modena, kam häufig in christliche Kreise und unterhielt mit christlichen Gelehrten eine lebhafte Correspondenz. Der französische Bischof Jakob Plantaricius und der christliche Kabbalist Jakob Gafforelli gehörten zu seinen Schülern. In christlichen Kreisen, die Leon Modena besuchte, wurden oft jüdische Bräuche und Zeremonien in einer das Judentum tief verletzenden Weise besprochen. Er gab sich alle erdenklich' Mühe sein Bekenntnis zu verteidigen, und entschloß sich am Ende dem sehnlichsten Wunsche christlicher Freunde zu entsprechen, und den Religionscodex in italienischer Sprache dem großen Publikum mundgerecht zu machen. Eine That, die er füglich hätte unterlassen mögen. Bald darauf ist er als Apologet für den Talmud aufgetreten. Es hat nänilich ein Hamburger Skeptiker es versucht gegen den Talmud wie überhaupt gegen das traditionelle Judentum zu poleniisiren. Diesem Zweifler, der jeder gründlichen talmudischen Kenntnis entbehrte, trat Leon Modena entschieden entgegen, und suchte dessen Einwürfe in einer besonder» Schrift „Magen Wezina“ zu widerlegen. Am wichtigsten ist' seine von Reggio in Görz 1852 unter dem Titel Beehinat ha-Kabbalah herausgegebene Schrift, die er angeblich 1622 erhalten hätte. Dieselbe soll seiner Angabe gemäß 120 Jahre vorher von Rabbi.Amittai b. Jedojah aben Ras aus Alcalch verfaßt worden sein, daher er sie abgeschrieben

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