Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 159 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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159 war und wird sein das klassische Volk der monotheistischen Religion, deren einstiger Träger die Menschheit werden muß. Davon sprachen die Propheten mit jener hinreißenden Redegewalt, die nur der Zauber einer göttlichen Wahrheit zu verleihen vermag; doch davon, daß die Menschheit auch Träger einer Nationalität sein werde, finden wir in ihren Biichern nichts verzeichnet, konnten sie auch in der That nicht reden, weil ja das in ferner Zukunft sich verwirklichende Ideal der Propheten kein nationales, sondern ein rein religiöses ist, und auch dieses nicht in Bezug auf die Gleichheit der religiösen Formen, wohl aber auf die allgemeine Anerkennung des einheitlichen Gottesgedankens, dessen Verkünder, allen Feindseligkeiten zum Trotz, die Juden so lange bleiben werden, bleiben müssen, bis daß jeder Erdensohn mit diesem Glaubensbekenntnisse auf den Lippen in dieser wechselvollen Welt sittlich fühlen und handeln, in jener lichten Welt der reinen Geister aber den beseeligenden Lohn von dem einzigen Gotte empfangen wird. — Geschichtsbilder aus der nachtalmudischen Ieit bis auf die Gegenwart (1500—1880). Nach den Quellen bearbeitet von vr. M. H. Friedländer. Leon Modena und Josef Salomo Detmedigo. R. Inda Arjeh Leon Modena (geb. 2.8. April 1.571 gest. als Rabbiner in Venedig am 24 Mürz 1648) entstammte einer durch Gelehrsamkeit und hohe Tugeitden hervorragenden Faniilie, die bei der Vertreibung der Inden aus Frankreich sich nach Italien flüchtete. Sein Großvater R. Mordechai Modena, zeichnete sich als rationeller Arzt wie als biederer und wackerer Charakter vortheilhaft aus. Er wurde von Kaiser Karl V, der ihn seiner hohen Gelehrsamkeit und Humanitären Bestrebungen halber besonders begünstigte, zum Ritter des goldenen Vließes ernannt. Eine hohe Auszeichnung, die geeignet war in der damaligen Zeit ungewöhnliche Sensation zu erregen. Der kleine Leon bekundete schon frühzeitig einen scharfen Geist, der zrl den schönsten Hoffnungen berechtigte. Schon in seinein dritten Jahre soll er bereits einen Abschnitt aus den Propheten vorgelesen und in seinem dreizehnten Jahre ein Merkchen, unter dem Titel „Sur mera“ oder „Eldad und Medat“ verfaßt haben. Dasselbe ist ein Dialog über Zulässigkeit und Schädlichkeit des Kartenspiels, bem der Verfasser selber ergeben war. Der allgemein bewunderte Knabe, der nicht blos eine ausgezeichnete'Auffassungskrast, sondern auch ein sehrglückliches Gedächtnis besaß, so daß ihm all' die unzähligen Schriften und Werke, die er mit unvergleichlichem Fleiße und Eifer gelesen und studirt hatte, unvergeßlich blieben*), machte in den mannigfachen Fächern der Wissenschaften riesige Fortschritte. Kaum zum Manne herangereift gehörte er zu den bedeutendsten und angesehensten jiidischen Gelehrten Italiens. Wie auf dem Gebiete der hebräischen und rabbinischen war er auch auf dem der lateinischen und ita- *) Es ist ihm auch gelungen ein Mittel, das Gedächtnis zu schärfen, zu erfinden; daher er eine Art Mnemotechnik unter dem Titel „Lew haarjah“ in Venedig 1612 veröffentlichte.