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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 157

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 157 (sequence 13)
Language
German
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157 Sprache geschriebene Psalmdichtung das jüdisch-nationale Gefühl zu erwecken geeignet war, so sehr ist sie und wird ewig dazu berufen sein, die Tonleiter für alle echt menschlichen Gefühle zu bilden, weil der poetische Geist, der sie durchweht, kein spezifisch jüdisch-nationaler, sondern der monotheistische ist, dem nicht die Huldigung einer Nation, sondern die der ganzen Menschheit gilt. Wenn daher eine Pindarische Ode in eine fremde Sprache übertragen an begeisterender Kraft, ja an klarem Verständnisse Einbuße erleidet, so wird ein Davidischer Psalm in jeder menschlichen Sprache vorgetragen, die gleiche seelenerquickende, trost- und mutspendende Wirkung auf das empfängliche Menschengemüt ausüben, wie der im hebräischen Urtexte rezitirte. Israels Literatur in Prosa und Poesie ist einzig nur von jenem einheitlichen Gottesgedanken erfüllt, der auch als einziges Lebenselement sein ganzes Volkstum geschaffen hat und durch alle Zeiten und unter allen Nationen der Erde erhalten wird. Und so wie seine Sendung eine religiöse, also ein rein menschliche ist, so ist auch seine Literatur ihren: Geiste nach keine nationale, sondern humanitäre. Von manchem Literarhistorikern wird der altjüdischen Literatur der Vorwurf gemacht, daß sie sich der zwei hervoragendsten Gattungen der Poesie, des hebräischen Epos und des Drama nicht zu rühmen vermag. Allein der Vorwurf ist ungerecht, weil psychologisch unbegründet. Denn in einem Volke, in welchem der nationale Cultus der menschlichen Herren geradezu verboten war, in welchem selbst die größten und kühnsten Menschengeister, wie der den Monotheismus und das jüdische Volkstum begründende Prophet Moses, — oder der den jüdischen Staat befestigende und erweiterende König David, nicht als schöpferische, aktiv auftretende Helden, sondern nur als würdige passive Werkzeuge in der Hand der göttlichen Versetzung verehrt wurden, konnte weder ein Epos, welches die Glorificirung menschlicher Heldenkräfte, noch ein Drama, das den tragischen, oft trotzigkühnen Kampf eines einzelnen mit den gewaltigen Geschickesmächten zum Thema hat, auf dem literarischen Gefilde erblühen. „Im Epos", sagt kurz, aber treffend Jean Paul, „trägt die Welt den Helden, in: Drama trägt der Held die Welt," nach altjüdischer Anschauung jedoch wird der Volksheros weder von seiner Welt getragen, noch trügt er sie aus seinen Riesenarmen, sondern der allmächtige und allbestimmende Gott allein ist der Held der Geschichte, und die größten Menschencharaktere, die in ihr eine Rolle spielen, sind die bloßen Vollstrecker seines Willens. — Die Gottheit jedoch, die über allen Erdenwechsel erhaben ist, die von den Geschickeswogen weder getragen wird, noch gegen sie zu kämpfen braucht, kann nicht episch oder dramatisch, sondern nur lyrisch, d. h. durch den anbetenden, ihre Wunderthaten preisenden Psalm verherrlicht werden; und in der dichterischen Schöpfung dieser politisch-heiligen Lieder war der jüdische Gonius in der That originell. — Die Jliade ist das Hochlied der hellenischen Nationalität, welches selbst die Götter nur als unsterbliche Hellenen verherrlicht, deren sterbliche Söhne die kämpfenden Herren des griechischen Volkes sind. Ein weltumfassendes Interesse für die Menschheit bekunden diese Götter nicht; die Feinde der Hellenen sind auch die ihrigen, die nationale Liebe und der nationale Haß wirkt in ihnen eben so leidenschaftlich wie in der Seele eines Achill. Der trojanische Pfeil verwundet sie ebenso wie den hellenischen Krieger, sie konnten daher selber epische oder dramatische Helden sein. Der große religiöse Gedanke, welcher den Gottesgeist über den engen nationalen Bann hinaushebt und zu einem die ganze Menschheit in Liebe umfassenden Weltgeist erhebt, ist in der wundervollen, aber durch nationale Engherzigkeit beschränkten Poesie der Griechen nicht zu entdecken. Alles

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