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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 getrübten Brillen falscher Aufklärer, die mit einigen Floskeln und Phrasen alle Räthsel der Natur und Geschichte gelöst zu haben glauben. Ohne Gott ist nicht an ein bindendes Sittengesetz zu denken, wie viel auch die Lügenpropheten von einer sich selbst stützenden und tragenden Sittlichkeit zu erzählen wissen. Wie wird da jeder, der für höhere Ideen schwärmt, als Fanatiker, als Narr betrachtet! Die Schäden liegen tief und sind wahrlich schwer zu heilen. In den Gemeinden und deren Vertretungen fehlt die begeisterte Hingebung an die große Sache des Judentums. Es wächst keine für das Judentum begeisterte Jugend heran. Groß ist die Unwissenheit unseres Volkes im Betreff seiner beispiellosen Geschichte und seltenen Geistesschätze und groß die rohe Anmaßung. An den Fruchten müssen wir sie erkennen, die Anstalten, die zu Segen und Heile des Judentums wirken sollen. Die Prediger sollen Lügenpropheten sein, Lügen und Frieden verkünden und ja nur nichts auf „den Kanzeln erwähnen, was unsanft berühren könnte, sie sollen ihre heiligste Überzeugung verleugnen, zu Heuchlern sich erniedrigen und den Tisch des Herrn durch verunreinigtes Brod schänden und entweihen. Sie sollen die Schäden übertünchen, vertuschen, überkleistern, nur nicht die Wahrheit sprechen und nicht der Wahrheit dienen. Ja wir müssen es tief beklagen, eine erbärmliche, verwerfliche Heuchlerrotte fängt sich an, in Israel breit zu machen. Hier erscheinen sie gegenüber dem zu täuschenden Volke wie ein Löwe im Käfig des Herkommens und dort entschlüpfen sie durch eine Hinterthüre, um dem von ihnen verdammten Zeitgeiste ihre Huldigung darzubringen und das Brüllen des Löwen in das Girren einer Taube zu umwandeln. Vielen ist die Religion eine poetische Regung nur, die jedoch in der großen Prosa ihres Lebens keinen Raum gewinnen darf? Wie viele Tausende wollen darum auch von einer Gemeinde überhaupt nichts wissen, ihr Geist ist zu groß, zu erhaben, zu kühn fiir derlei überlebte Sachen und gar Anderen ist die Gemeinde, wie die Religion, eine Art notwendiges Übel. Sprechet zu ihnen von einer Idee, von einer weltgeschichtlichen Mission des Judentums, ihr redet tauben Ohren, ihr stehet vor blinden Menschen. Was ist denn das für ein curioses Ding, eine Idee. Reform, Thorheit! Fortschritt, ach wie naiv! Mission, Unsinn! Ja die Korachs wollen nicht aufhören, jedes bessere Streben zu hemmen, zu hindern, zu unterdrücken und zu ertöten. Wir brauchen Gottesmänner, die ihren Beruf verstehen, die unablässig ohne Scheu und Menschenfurcht für die Wahrheit eintreten, die die Wunden und Schäden in unserer Mitte nicht verdecken noch verschweigen, sondern mit dem Schwerte der Wahrheit alles Krankhafte ansscheiden und mit der Glut ihres heiligen Eifers alles Verderbliche wegschaffen, Gottesniänner, die lediglich dem Rufe ihres Gewissens folgen und nicht darnach fragen, ob ihre Wahrheitsliebe und ihr Wahrheitseifer Gunst oder Ungunst, Anerkennung oder Verfolgung, Vorteil oder Nachteil bringe», die nicht wie die Wetterfahne nach dem Winde sich drehen, sondern mit unerschütterlicher Festigkeit bei dem für recht, wahr und gut Erkannten beharren, die das ihnen von Gott in den Mund gelegte Wort laut und offen verkünden und von allen Winden und Stürmen ihr Licht nicht auslöschen lassen und trotz aller Kämpfe und Anfechtungen ihren Standort nicht ändern. Im alten Israel, da standen durchweg ehrliche Männer an der Spitze der Gemeinden, die es kaum für möglich hielten, anders zu reden, als sie dachten, anders zu handeln als sie lehrten. Ihnen zollen wir unsere Ehrfurcht und Hochachtung, ob sie große oder kleine Lichter waren. Aber jetzt wuchert üppig hervor ein glatt- und zweizüngig Geschlecht, das heute so und morgen wiederum anders redet, ewig nach

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