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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 152

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 reißen soll und die Hoffnung auszusprechen, daß die neue bei Sigmund Bensinger in Wien erscheinende illustrirte Prachtausgabe von Lessings Werken, dazu beitragen werde, den Geist Lessings immer mehr zum Gemeingute des deutschen Volkes werden zu lassen. Es ist wahrlich an der Zeit, daß man für Alles, was solche Herren aus dem Judentume machen wollen, alle Solidarität von sich abweise und ein solches Judentum soll um des Gemeindefriedens willen gehegt und großgezogen werden? Ich habe nur zur Jllustrirung mit diesen, einen Beispiele aufgewartet und könnte noch viele andere anführen, die das Gesagte noch viel greller beleuchten. Ja Israel, folge nur, deiner Heuchlerschaar, denen, die doppelte Gesichter haben und doppelte Reden führen, baue nur Fleischhallen anstatt Geisteshallen. Die Charakterlosigkeit muß ein Ende nehmen. Das Lebenskräftige muß erhalten werden und die Wahrheit und der Friede mit Gott müssen uns höher stehen, als der Friede mit Menschen, die keine Einsicht, die keine Ehrlichkeit besitzen. Selbst das stürmisch aufgeregte Meer hat einen Vorzug vor dem stehenden Sumpfe, der nur verpestende Dünste ansströmt. Aus Liebe zu einem faulen Frieden vergessen Gemeinden oft ihr Schibboleth. Hüten wir uns vor solch schnödem Verrate an der eigenen guten Sache. O es giebt viele Heuchler; ihre Lippen triefen von unerlaubten Speisen und ihr Mund ist voll Begeisterung für diese Gesetze. Heuchler sind's, Betrüger, die mit dem Heiligsten gemeinen Wucher treiben. Fort niit solcher Klugheit, die zur Zeitmoral geworden. Vergessen wir nicht, Klugheit ist die Weisheit nur des Augenblickes, Weisheit aber die Klugheit aller Zeiten. Wir müssen unser Volk zu guten Menschen erziehen, es giebt kein besonderes jüdisches Gewissen. Wenn du ein Wucherer bist und du legst Tephillin und an deinem Hause prankt die Mesusah so bleibst du schlecht und verwerflich; du magst deine Speisen noch so rituell zubereiten, du bleibst ein Greuel der Menschheit, wenn an ihnen Thränen der Erpressung hängen. Die Gemeinden niüssen endlich den Gedanken aufgeben, daß da, wo materielle Jntcrressen auf dem Spiele stehen, die Religion verstummen müsse, wie es einer Bettlerin ziemt, oder gar zu den Füßen ihrer Kostgeber sich zusammenkauern müsse und zu Allem Amen sagen, nicht was Gott will, sondern was s i e wollen. Nicht einen Grabesfrieden wollen wir, nicht einen Frieden auf Kosten der Wahrheit und des Lichtes, der ja die ganze Existenzberchtigung des Judentums in Zukunft untergraben muß. In charakterlosen Vermttlungsversuchen zwischen Anschauungen, die einmal nicht zusammengehören, liegt nicht unser Beruf und von einem Hinken auf beiden Seiten ist kein Segen zu erwarten. Männer, die dies wollen, werden keinen Frieden bringen, denn sie sind zwiespältig und zerrissen in sich selbst. Einander entgegengesetzte Principien lassen sich nun einmal nicht zusammenkoppeln, Licht und Finsternis können keinen Bund bilden, man niuß sich zu dem einen oder zu dem andern voll und ganz und aufrichtig bekennen. Und nun zu den Indifferenten, die den größten Mißbrauch mit dem Worte ,Freisinn" treiben. Es sind in der That nur von der Kette losgelassene Sklaven, die das alte Judentum mit Füßen treten, ohne das neue zu begreifen und auch nur zu wollen. Mit ihnen ist nichts anzufangen, sie mögen sich Orthodoxe oder Reformer nennen. Gesetze übertreten, das nennen sie Reform des Judentums, die Männer des echten Fortschritts lästern und dabei die Torah mißhandlen, das nennen sie Orthodoxie und Amalek nennen sie den, der ihnen die Wahrheit sagt. Und gar die, welche das Heil der Menschheit in der Vertierung suchen und den Gottesgedanken ertöten, der der unversiegbare Quell aller Selbstveredlung ist, der Fels, auf dem die Hoheit des Menschtums ruht!

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