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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 und Weltvergötterung, gegen die sowol, welche Gott zur Last sind durch ihren Dienst' wie Jesaia sich aüsdrückt, die er müde ist, zu ertragen, deren Sabbate, Feste und Gebete ihm ein Greuel sind, wie gegen die, welche Gottlosigkeit auf ihre Fahne geschrieben und bei all ihrem Freiheits- und Freisinnsgeschrei feile Knechte der Erde sind und, jedes höheren Aufschwunges baar, kein Verständnis für Ideen und Ideale haben, die nicht im Gesichtskreise ihres fleischlichen Auges liegen. Als schlecht und mangelhaft erscheint Einhorn zunächst die Beschaffenheit des Jugendunterrichtes bei den Juden. Hier sieht er Anstalten, in welchen der Geist verkrüppelt wird, und dort solche, in denen die Viper des Religionshasses giftig ihr Haupt erhebt. Sagt nur der Jugend, ruft Einhorn aus, der Mittelpunkt des Judentums läge in überlebten Ceremonieen und in den Speisegesetzen und sie wird später, ohne daß es sie die cjerittgfte Selbstüberwindung kostet, dieselben mit dein ganzen Judentume von sich werfen. Die Religionsgemeinden haben die Pflicht und Aufgabe, für einen gediegenen gesunden wissenschaftlichen Religionsuntericht zu sorgen, während die profanen Fächer in den Lehranstalten des Staates oder der Stadt für Kinder verschiedenen Glaubens gleichgelehrt werden sollen, damit nicht durch separirte Schulwände separatistischer Geist großgezogen werde, der ja einigen, die das Judentum und seine Ziele nicht kennen, allein schon Judentum sein mag. Hören wir Einhorn, der da verlangt, daß wir in dem Staate, in welchem wir als Bürger leben, uns als volle und lebendige Glieder desselben fühlen, daß wir nicht nur brennen, sondern auch leuchten, nicht nur geistig verzehren, sondern auch hervorbringen, daß wir Ackerbau treiben und das Handwerk pflegen sollen, hören wir, wie er die beliebte Friedensphrase, die wir in Deutschland seit dem Austrittsgesetze öfter zu hören bekommen, behandelt. Er sagt: Wegen Unterhaltung des Gemeindefriedens religiöse Sitte, die in das Gebiet des Widerreligiösen gehören, Pflegen, mit dem Herkommen liebäugeln ist entweder verwerfliche Schwäche oder freventliche Gleichgiltigkeit. Wenn wir uns selbst in ein geistiges Ghetto zurückbegeben, dann werden bald auch die Thore hinter uns geschlossen werden. Das Judentum kann nicht wie eine Waare behandelt werden, das läßt sich nicht mit der Elle messen und auf der Wage wiegen, da heißt es hören auf Josua und Elia mit ihrem Entweder — Oder. Ein solches Hinken nach beiden Seiten ist ebenso verwerflich, wie verderblich. Wohin soll es führen, wenn, wie das in einem Organe der Orthodoxen geschieht, in einem Leitartikel „Sabbath" überschrieben, es wörtlich heißt: Mögen doch die Einrichtungen unsrer Weisen Niemandem gering und unbedeutend erscheinen. Sie alle sind gegründet auf dem festen Grund der heiligen Gotteslehre. Es ist kein geringes Zeichen religiösen Verfalles, daß man sich heutzutage so leichtsinnig über die rabbinischen Einrichtungen und Verbote hinwegsetzt. Namentlich ist es der Sabbath, dessen Feier in dieser Beziehung vielfach beeinträchtigt wird. Selbst Leute, die noch fromm sein wollen, machen sich nichts daraus, am Sabbath Geld auszugeben, die Speisen wärmen zu lassen, zu tragen, da wo es verboten ist, durch Nichtjuden in unerlaubter Weise Arbeiten verrichten zu lassen und dergleichen mehr. Auch in andrer Beziehung setzt man sich über rabbinische Verbote wie — hier muß das Hebräische übersetzt werden — Wein von Christen, Käse von Christen, Milch von Christen zu genießen, weg. Wir wollen die Größe dieser Versündigung u. s. w. und derselbe Mann entblödet sich nicht in derselben Nummer Lessing als einen Mann zu feiern, der Deutschland aus seiner geistigen Verkommenheit heraus-

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