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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 ruft Einhorn aus, Gemeindevertretungen bestrebt sind, aus augenblicklichem sichtbarem Nutzen, aus Steuerrücksichten oder aus praktischer Klugheit und falsch verstandener Gewissensfreiheit dem Judentum ein mittelalterlich Gepräge zu geben, nie sollten die ehrlichen edlen Männer in Israel zu diesem Zerstörungswerke ihre Hände bieten. Nicht in der Rückkehr zu längst verrotteten und weit überflügelten Cultuseinrichtungen, sondern in dem Eindringen unseres höheren Geisteslebens in das der Völker und in der allgemeinen Vertiefung und Verbreitung unserer ewigen unerschiitterlichen Wahrheiten sollen wir unsere Sendung erblicken, das hohe Endziel unseres Strebens und Wirkens. Unsere Lehre soll sein unsere Weisheit und Vernunft und nicht unsere Thorheit in den Augen der Völker. Recht sollen wir thun, nicht nur nach den Vorschriften des Gesetzes allein, sondern nach den Eingebungen unseres Herzens und einer höheren Moral, Milde und Barmherzigkeit sollen wir üben und in Bescheidenheit wandeln mit unseren Mitmenschen vor dem Ewigen unserem Gotte. Nicht das Haupt, das Herz der Menschheit soll Israel werden und ein Ende muß nehmen die weithingähnende Kluft zwischen dem inneren Gehalte und dem äußeren Gewände des Judentums. Für eine Thorheit hält es Einhorn, zu meinen, ein Meer wie die jüdische Lehre lasse sich auf das enge Gebiet eines winzigen Raumes einzwängen. Die jüdische Nationalität und die jüdischen Symbole sind nicht seine Ufer, sondern blos sein Gefäße, womit die Hirten unseres Volkes schöpften, um der dürstenden Heerde Jacobs zu trinken zu geben- Freilich hat sich im Laufe der Zeiten in diesen Gefäßen viel Schlamm und Unflat angesetzt. Alles Toben und Lärmen der Denkträgen soll uns nicht hindern, frisches Wasser zu schöpfen aus den Heilesquellen und in neuen Schläuchen zu sammeln, nachdem das Alte unhaltbar und zum stehenden Sumpf geworden ist. Israel ist berufen seine Mission zu erfüllen nicht wie bisher blos durch namenloses Dulden, sondern durch selbstbewußte Erhebung seines heiligen Banners zum Paniere für alle Völker und durch freudige Enthüllung und Verherrlichung seiner kostbaren bisher nicht gekannten Geistesschätze. Wohl sollen wir stets rückwärts schauen und in lebendigem Zusammenhänge mit unserer geschichtlichen Vergangenheit bleiben, aber darum nicht rückwärtsschreiten. Israel ist keine Ruine eines zertrümmerten Palastes, sondern der Grund- und Eckstein jenes Tempels, in welchem sich einst alle Menschen als Brüder wiedererkennen werden, um vor dem ewig einzigen Gotte in Anbetung begeistert das Knie zu beugen. Die Männer der Reform innerhalb des Judentums wollten diesen Balsam der Wiederverjüngung bringen und wahrlich dies gilt mehr, als weinend und klagend an dem Grabe des Judentums zu stehen, aus dem nie wieder neues Leben und^ neues Wachstum ersprießen soll. Das Ceremonialgesetz ist durchaus nicht das Band, das die Zerstreuten verbindet, es ist vielmehr die Scheidewand, die die Zusammengehörenden von einander trennt, es ist eine alte durchlöcherte Hülle, an deren Stelle ein frisches vom ewig fortschreitenden Geiste der Geschichte gewobenes Kleid, dessen wir auch nicht entraten können, treten muß. Wo, wie in jetziger Zeit, dringende zwingende Bedürfnisse es erheischen, da gilt's nach dem Muster der größten und edelsten Männer des Judentums sich mit energischer Thatkraft zur religiösen Umgestaltung zu rüsten, sich zu erfüllen mit dem Geiste der alten Propheten, die fort und fort, ohne zu ermüden, mit Flammenzungen gegen den blos äußerlichen jeder inneren Heiligungskraft entbehrenden Formendienst auftraten und jener Religionsschändung zu steuern, in welcher ceremonielle Uebungen nur Scheindecke innerer Fäulnis geworden. Wir muffen es stets

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